157 hochgiftige Substanzen gefunden: Neues Kapitel im Streit um Roemisloch-Deponie
©Montage: Archivmaterial Telebasel/Gemeinde Allschwil
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157 hochgiftige Substanzen gefunden: Neues Kapitel im Streit um Roemisloch-Deponie

04.02.2023 13:24 - update 06.02.2023 11:44

Baseljetzt

Noch nie seien bei der Chemiemülldeponie Roemisloch so viele verschiedene Schadstoffe in derart grosser Konzentration gemessen worden. Zu diesem Schluss kommt die Gemeinde Allschwil und schlägt Alarm.

Allschwil fordert schon seit längerem eine erneute Sanierung der Chemiemülldeponie Roemisloch. Mehr Druck macht die Gemeinde jetzt mit neuen Analysen zu Messungen vom Mai 2022. Diese zeiten eine alarmierend hohe Anzahl von Schadstoffen. Laut einer Mitteilung habe man in den Wasserproben 157 meist hochgiftige Substanzen in einer Gesamtkonzentration von einem Milligramm pro Liter gefunden. Darunter auch das krebserregende Benzidin. Solch eine hohe Schadstoffbelastung habe Allschwil noch nie zuvor festgestellt.

Keine Einigung

Die Gemeinde macht die Chemie-Industrie mit dafür verantwortlich. Die Behauptungen von Novartis, BASF und Syngenta, die Schadstoffaustritte aus der Chemiemülldeponie würden abnehmen, bezeichnet Allschwil als «offensichtlich falsch». Die angesprochenen Firmen, vertreten durch die GI DRB (Groupement d’intérêts pour la securité des décharges de la Région bâloise), schreiben dazu: «Wir halten an dieser Stelle fest, dass die französischen Behörden der GI DRB klar attestiert haben, dass alle Auflagen und Verpflichtungen aus der Sanierungsverfügung zur damaligen Deponie Roemisloch erfüllt wurden. Die Sanierung und Nachsorge der ehemaligen Deponie Roemisloch ist demnach auch aus Sicht der französischen Behörden abgeschlossen.» 

Die GI DRB hat sich auch schon vor rund einem Jahr auf den Standpunkt gestellt, dass keinen Handlungsbedarf gebe und dies ausführlich begründet (Telebasel News vom 03.02.2022). Sie hat sogar eigene Messungen vorgenommen. Am selben Ort wie die Gemeinde Allschwil. Dort, wo der Roemislochbar in den Neuweiler- und den Mühlibach mündet. Resultat: keine Gefährdung durch Schadstoffe. Zum selben Ergebnis kam auch das kantonale Amt für Umwelt und Energie (AUE) Baselland. Die Gemeinde Allschwil misst jedoch auch noch an einem anderen Ort. Diese Messungen sind aber für die anderen Parteien, darunter auch das AUE, nicht ausschlaggebend.

Streit um die Sanierung

Doch für die Gemeinde Allschwil ist klar: Die Chemiemülldeponie Roemisloch ist auch elf Jahre nach Abschluss der Sanierungsarbeiten noch immer ein Sanierungsfall. Die Schadstoffkonzentration seien heute gleich hoch wie im Jahr 2001, also zehn Jahre vor der letzten Sanierung. Die französische Umweltbehörde DREAL forderte damals die Bevölkerung auf, im Roemislochbach nicht zu baden, das Wasser nicht zu trinken und es auch nicht zur Bewässerung zu nutzen. Denn: «Wenn ein Milligramm pro Liter dieser Chemikalien in einen Bach gelangen, ist das eine sehr hohe Konzentration». So die Gemeinde Allschwil in ihrer Mitteilung.

An einer Sitzung mit dem Amt für Umweltschutz und Energie Basel-Landschaft hat die Gemeinde ihre Resultate Mitte Januar präsentiert. Beide Seiten erörtern Möglichkeiten, wie die Messungen zwischen Gemeinde und AUE besser koordiniert werden. (lab/pch)

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04.02.2023 16:05

Tedy

Die Konzentration jeder dieser 157 Substanzen entspricht etwa 1 Würfelzucker gelöst in 1 Million Liter Wasser. Ein Mensch müsste davon täglich mehrere 100 Liter trinken, um längerfristig einem ernsthaften Gesundheits-Risiko ausgesetzt sein. Hochgiftig?

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