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Bayern gibt vier Raubkunst-Werke zurück
©Symbolbild: Keystone
Museum
Kultur

Bayern gibt vier Raubkunst-Werke zurück

02.09.2025 11:02

Baseljetzt

Das Bundesland gibt Nazi-Raubkunst an die rechtmässigen Besitzer zurück. Vier Gemälde aus dem Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sollen restituiert werden.

Die Gemälde «Lot und seine Töchter» und «Abraham bewirtet die drei Engel» von Franz Sigrist dem Älteren sollen demnach an die Erben der ehemaligen Münchner Kunsthandlung Brüder Lion zurückgegeben werden, die 1936 unter den Nationalsozialisten zwangsweise schliessen musste.

Die Nachfahren des verfolgten jüdischen Direktors der Commerz- und Disconto-Bank Hannover, Ernst Magnus, sollen das Bild «Hl. Anna Selbdritt» von einem Schüler von Lucas Cranach dem Älteren bekommen. Magnus hatte es verkauft, um die Flucht seiner Familie zu finanzieren.

Auch «Am Wirtshaustisch» von Ernst Karl Georg Zimmermann wurde als Raubkunst identifiziert. Wer die rechtmässigen Erben sind, ist nach Angaben der Staatsgemäldesammlungen aber bislang nicht ganz klar.

Scharfe Kritik an bayerischer Restitutionspolitik

Die Restitutionsentscheidungen beruhen auf der Forschung des Referats für Provenienzforschung an der neu gegründeten Staatlichen Museumsagentur Bayern. Sie hatte den Angaben zufolge ergeben, dass es sich bei den vier Bildern um NS-Raubkunst handelt. Für ein fünftes Werk – das Bild «Junges Mädchen mit Strohhut» von Friedrich von Amerling – soll das neue deutschlandweit zuständige Schiedsgericht NS-Raubkunst angerufen werden und eine Entscheidung treffen.

Das süddeutsche Bayern stand wegen seiner Rückgabepolitik schon lange in der Kritik. Im Februar dieses Jahres waren dann Missstände in den Staatsgemäldesammlungen durch Presseberichte bekanntgeworden.

Dabei ging es zunächst vor allem um den Umgang der Sammlung mit möglicher NS-Raubkunst – also Werken, die jüdischen Eigentümern im Nationalsozialismus weggenommen oder unter Zwang abgepresst wurden. Die Prüfung solcher Verdachtsfälle wurde als intransparent und schleppend kritisiert, sogar von Vertuschung war die Rede.

Aufarbeitung der Sammlungsgeschichte

«Mit der Rückgabe dieser vier Werke können wir das grausame Unrecht an den Eigentümern nicht heilen. Aber wir können damit den Versuch der Wiedergutmachung in Richtung der Opfer unternehmen und ein Zeichen setzen: Wir arbeiten intensiv an der Aufarbeitung des NS-Unrechts – seit diesem Frühjahr mit mehr Tempo, mehr Transparenz und mehr Ergebnissen», sagte Blume.

«Die Rückgabe der vier Gemälde ist für uns ein weiterer wichtiger Schritt, die Aufarbeitung unserer Sammlungsgeschichte fortzusetzen», betonte Biebl. «Wir nehmen die Verantwortung für eine gründliche Provenienzforschung sehr ernst.» (vaz/sda)

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