
«Bedeutendster Filmproduzent ausserhalb der USA»
Baseljetzt
Der Basler Filmproduzent Arthur Cohn hat in seinem Leben zahlreiche Ehrungen erhalten und wurde als bedeutendster Filmproduzent ausserhalb der USA gefeiert.
Der Basler hat sechs Oscars bei sich zu Hause, auf denen sein Name eingraviert ist; auf der Webseite der Academy of Motion Picture Arts and Sciences sind drei Ehrungen für ihn verzeichnet. Die Differenz ist jedoch formeller Art, am Ansehen des Produzenten in der Filmbranche ändert sie wenig.
Cohn war unter anderem der erste nicht-amerikanische Produzent, dessen Name in den «Walk of Fame» eingeschrieben wurde. In Hollywood gilt der Mann, der Meryl Streep, Jodie Foster, Al Pacino, Michael Douglas und Jack Nicholson zu seinen Freunden zählt, als «bedeutendster Filmproduzent ausserhalb der USA».
Und in Frankreich wurde Cohn 1995 mit dem Orden Commandeur des Arts et des Lettres ausgezeichnet – der höchsten Ehrung, die das Kulturministerium in Paris zu vergeben hat.
Geändertes Regelwerk
Die Differenz bei der Zahl der Oscars erklärt sich damit, dass bei Auszeichnungen für den besten fremdsprachigen Film laut aktuellen Academy-Regeln nicht der Produzent als Preisträger gilt, sondern das Werk an sich sowie das Land, das den Film einreicht.
Die Oscars für «Il giardino dei Finzi-Contini» (1970), «La Victoire en chantant» («Sehnsucht nach Afrika», 1976) und «La Diagonale du fou» («Gefährliche Züge», 1984), die Cohn in Empfang nehmen konnte, werden somit nicht mehr ihm persönlich angerechnet.
Cohn betont, dass sich das Regelwerk der Academy seit den Übergaben vor 42, 36 und 26 Jahren geändert habe. Früher seien die Oscars für den besten ausländischen Film jeweils an die Produzenten gegangen, erklärte er vor Jahren gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Drei Oscars für Dokfilme
Drei Academy Awards erhielt Cohn für Dokfilme: Den ersten bereits 1963 für «Sky Above – Mud Below», einem Film über Neu-Guinea. «American Dream» (1990) über den Arbeitskampf von US-Fabrikarbeitern in den 1950er Jahren setzte die Serie fort.
1999 folgte «One Day in September» über die Geiselnahme während der Olympischen Sommerspiele von München 1972. «Die Oscars kamen weitgehend unerwartet. Sie betrafen allesamt Filme von denen mir abgeraten worden war», sagte Cohn einst gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF.

Bild: Keystone
Weitere seiner Produktionen und Koproduktionen sind etwa der Golden Globe Gewinner «Central Station» (1998) von Walter Salles, «Two Bits» mit Al Pacino (1995) und der weltweit erfolgreiche Streifen «Les choristes» (2004) von Christophe Barratier.
Weniger Spezialeffekte, Sex und Gewalt
Cohn legte bei seinen Filmen Wert auf subtiles und poetisches Material. «Ich habe stets versucht, menschliches Kino zu kreieren und mich von der Emotionalität der Geschichte leiten zu lassen», sagte Cohn nach der Auszeichnung in Berlin 2019 dem «Blick». «Ich wünsche dem heutigen Kino weniger Spezialeffekte, Sex und Gewalt, dafür mehr humanistische Werte.»
Arthur Cohn arbeitete im vergangenen Jahr noch an der Verfilmung des Romans «Der wiedergefundene Freund» von Fred Uhlman. Er hatte das Drehbuch nach Angaben seines Sohnes Emanuel, der Schauspieler ist, 2022 weitgehend fertiggestellt. Im Mai 2025, drei Monate nach dem 98. Geburtstag seines Vaters, sagte Emanuel Cohn der Deutschen Presse-Agentur, das Projekt sei «etwas ins Stocken geraten», sei aber weiter in Arbeit.
Über den Journalismus zum Fim
Arthur Cohn kam als Sohn eines Anwalts in Basel zur Welt. Er studierte internationales Recht, war dann jedoch jahrelang als Radiojournalist bei Radio Beromünster tätig. Über die Arbeit als Drehbuchautor, mit der er sich einen Namen machte, kam er schliesslich international ins Filmproduzenten-Geschäft.
Über das Privatleben des dreifachen Vaters ist nicht sonderlich viel bekannt. «Ich glaube nicht, dass es die Leute interessiert, ob ich meinen Kaffee schwarz oder mit Milch trinke», sagte er einst. Cohn war verheiratet, lebte lange Zeit in Los Angeles, in einer Basler Mietwohnung und zuletzt in Jerusalem. (sda/daf)
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