
Beförderungsfeier eskaliert: 22 Rekruten durch Schläge verletzt
Baseljetzt
Eine Kommandantin der Schweizer Armee und zwölf Schweizer Offiziere sind vom Militärkassationsgericht wegen eines Gewaltausbruchs bei einem Beförderungsritual in Colombier NE verurteilt worden.
Insgesamt wurden im April 2018 22 Rekruten durch Faustschläge verletzt. Die Vorfälle ereigneten sich während einer Beförderungszeremonie, wie die Tageszeitungen des CH-Media-Verlags am Dienstag berichteten. Die Angeklagten wurden wegen tätlicher Angriffe auf Untergebene verurteilt. Sie erhielten eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 170 Franken, bedingt auf zwei Jahre, sowie eine zusätzliche Busse von 400 Franken als sofortige Sanktion.
Gewaltsame Abzeichenvergabe
Die Rekruten waren im Hof der Kaserne versammelt und erhielten ihr Soldatenabzeichen. Gemäss militärischer Tradition war es den Offizieren erlaubt, auf das neu überreichte Abzeichen zu schlagen – auf Höhe des rechten Schlüsselbeins, wie das Urteil, das die Nachrichtenagentur Keystone-SDA einsehen konnte, festhält.
Die Schläge brachten einige Soldaten aus dem Gleichgewicht und dumpfe Geräusche hallten durch den Kasernenhof, wie die Richter betonen. Der Abend eskalierte jedoch später bei einer zweiten Abzeichenvergabe.
Vor dieser zweiten Übergabe sagte die Kommandantin, heute Majorin, sie toleriere «bis zu zwei gebrochene Schlüsselbeine», so das Urteil. Die Schläge dauerten dann rund eine Viertelstunde an, einige davon wurden als «übermässig» eingestuft.
Was zunächst als «festlich und euphorisch» beschrieben wurde, entwickelte sich laut den Richtern zu einem regelrechten «Ausbruch». Die Schläge auf die Rekruten wurden als «unangemessen oder mit Wut und Hass ausgeführt» beschrieben – von Vorgesetzten, die sich an den Soldaten «abreagierten».
Gebrochene Rippen und Blutergüsse
In den folgenden Tagen konsultierten nicht weniger als 22 Soldaten den Militärarzt. Sie wiesen laut Urteil Prellungen und Hämatome in verschiedenen Grössen auf. Zudem klagten sie über starke Schmerzen an der rechten Schulter und am Brustkorb.
Bei einem Verletzten diagnostizierte der Arzt sogar eine gebrochene Rippe, bei einem weiteren eine angebrochene Rippe. Ein dritter Rekrut hatte ein 20 mal 8 Zentimeter grosses Hämatom am rechten Arm und Atemnot im Brustbereich. Insgesamt stellte der Militärarzt 14 Dienstdispensen aus und reichte Strafanzeige gegen die Offiziere ein. (sda/daf)
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Thomy
Unglaublich was da abgeht …..