
Drehorte in der Schweiz: Zuhause ist da, wo das Drama ist
Baseljetzt
In der Schweiz haben Orte oder Landschaften immer wieder als Filmkulisse für Dramen gedient: das Schilthorn, Iseltwald am Brienzersee oder die Schatzalp sind nur die bekanntesten. Es gibt so manchen weiteren Ort, der noch lange nach den Dreharbeiten von der Aura lebt, die ihm sein Kinoauftritt gebracht hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Im James Bond-Film von 1969, «On Her Majesty’s Secret Service» diente das Schilthorn als Geheimbasis des Bösewichts Blofeld, während sich in der nahen Umgebung rasante Verfolgungsjagden per Ski entspinnen konnten
- Die unscheinbare, wenn auch sehr malerische Gemeinde Iseltwald diente nämlich als Kulisse für die südkoreanische Netflix-Serie «Crash Landing on You», die während der Covid-Zeit besonders in Asien äusserst populär wurde
- Das um 1900 oberhalb von Davos erbaute ehemalige Sanatorium und heutige Berghotel Schatzalp diente bereits Thomas Mann als Ort für seinen Roman «Der Zauberberg» (1924)
Was macht die ideale filmische Landschaft aus? Sollte sie harmonisch und fotogen sein, oder eher Charakter haben? Wie ein menschliches Gesicht über Narben verfügen kann, die von interessanten Geschichten zeugen, die sich hier zuvor bereits abgespielt haben. Oder sollen sie sanft und angenehm sein um bloss nicht vom Geschehen abzulenken?
Dass uns oft jene Orte am besten gefallen, die wir unser Zuhause nennen, ist ja keine besonders originelle Feststellung. Sie sind uns vertraut, sind Schauplatz eigener Erfahrungen. Man kennt ihre Geheimnisse – und sie vielleicht unsere. Solche Fragen sind für den Film wichtiger, als man vielleicht meinen würde. Denn obschon sich menschliches Drama überall da ereignen kann, wo es genug Licht, Liebe und Luft zum Atmen gibt, ist es für das fotografische Medium Film mehr als für jede andere Kunstform von zentraler Bedeutung, wo sich dieses Drama abspielt. Auf einer abgelegenen Bergwiese verhalten und vermitteln sich Emotionen ganz anders als an einem überfüllten Sandstrand oder in einem Café in einer Grossstadt.
In der Schweiz, soviel lässt sich bei aller heimatlichen Befangenheit feststellen, gibt es Orte, an denen menschliche Befindlichkeiten vom dramatischen Ausdruck einer Landschaft buchstäblich überschattet werden. Oder aber sie werden – in den Händen talentierter Filmschaffender – zu Spiegeln oder Verstärkern dieser Befindlichkeiten. Wenn das individuelle Drama zum universellen wird, wächst im Idealfall auch das Publikum.
Ein wechselseitiges Verhältnis
Kein Wunder also, dass die Schweiz und ihre Landschaften Filmemachern und -macherinnen aus aller Welt immer wieder als Kulisse für ihre menschlichen und universellen Dramen gedient hat. Wobei das Verhältnis nicht selten ein wechselseitiges ist: manche Orte leben noch ein halbes Jahrhundert nach Abschluss der Dreharbeiten von der Aura und der Aufmerksamkeit, die ihm sein Kinoauftritt gebracht hat, selbst wenn es nur wenige Szenen waren.
Das Drehrestaurant auf dem Schilthorn oberhalb von Mürren im Berner Oberland ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel. Im James Bond-Film von 1969, «On Her Majesty’s Secret Service» diente es als Geheimbasis des Bösewichts Blofeld, während sich in der nahen Umgebung rasante Verfolgungsjagden per Ski entspinnen konnten. Auch heute noch trägt das Restaurant den Namen des im Film fiktiven Berggipfels: Piz Gloria. Doch nicht nur den Namen verdankt das immer noch populäre Tourismusziel dem berühmten Geheimagenten. Das Schilthorn mit dem Drehrestaurant würde es ohne den Film, so der Direktor der Schilthornbahn, «in dieser Form nicht geben».
Lässt sich vergleichbares über eine weitere Schweizer Bond-Kulisse behaupten? Den Verzasca-Staudamm im Tessin unweit von Locarno, von dem sich Bond gute dreissig Jahre später in der Eröffnungsszene von «GoldenEye» (1995) hinunterstürzte. Oder ist alles immer auch eine Frage von geschicktem Marketing?
Von Filmfans überschwemmt
Dabei ist das mit der weltweiten Aufmerksamkeit und Popularität so eine Sache, wie die knapp 400 Einwohner von Iseltwald in den letzten Jahren erfahren mussten. Die unscheinbare, wenn auch sehr malerische Gemeinde am Südufer des Brienzersees diente nämlich als Kulisse für die südkoreanische Netflix-Serie «Crash Landing on You», die während der Covid-Zeit besonders in Asien äusserst populär wurde. Seither möchten täglich mehr als tausend Besucherinnen und Besucher das Dorf und insbesondere dessen Bootssteg, auf dem als romantischer Höhepunkt der Serie eine Klavierszene gedreht wurde, mit eigenen Augen sehen – beziehungsweise mit der eigenen Smartphone-Kamera. Nicht unbedingt zur Freude der lokalen Bevölkerung: Die Kurzzeit-Besucher würden, heisst es von der Gemeinde bloss «für ein Foto auf Instagram herkommen und nichts als Müll hinterlassen». Deshalb haben die Gemeindeverantwortlichen vor dem Steg ein Drehkreuz installiert; der Eintritt kostet fünf Franken.
Ein Schatz europäischer Filmkultur
Andernorts ist man besser gewappnet. Nicht zuletzt, weil man seit langem um die Anziehungskraft weiss, die ein bestimmter Ort auf nationale und internationale Kulturschaffende ausübt – nicht nur auf Filmteams und nicht erst in jüngster Zeit. Das um 1900 oberhalb von Davos erbaute ehemalige Sanatorium und heutige Berghotel Schatzalp diente bereits Thomas Mann als Ort für seinen Roman «Der Zauberberg» (1924). In diesem Jahrtausend waren Hotel und Umland Drehort etwa von Paolo Sorrentinos Alterssatire «Youth» (2015), der historischen Serie «Davos 1917» (2023) und kürzlich auch der Verfilmung von Max Frischs Roman «Stiller» (2025). Im vergangenen April wurde vor diesem Hintergrund die Schatzalp in die Liste der «Schätze der europäischen Filmkultur» der europäischen Filmakademie (EFA) aufgenommen.
Dabei gibt es zahlreiche weitere Drehorte in der Schweiz, die eine solche Würdigung verdient hätten. Immerhin 500 Orte umfasst beispielsweise «Drehort Schweiz», Thomas Blubachers 2022 erschienener Band zum Thema. Von Aarau bis Zwieselberg zählt der Theaterwissenschaftler Locations auf, an denen internationale Stars vor der Kamera standen.
Welche Bedeutung die jeweiligen Filme für den Ort haben, an dem gedreht wurde – dieser Frage geht die Nachrichtenagentur Keystone-SDA nach, anhand von neuen und klassischen Filmen, von schweizerischen und internationalen Produktionen.*
*Dieser Text von Dominic Schmid wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert. (sda/vaz)
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Hoschi
Das ist sehr erfreulich.