Ein Nordostschweizer Märchen geht im Glarnerland zu Ende
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ESAF 2025
Sport

Ein Nordostschweizer Märchen geht im Glarnerland zu Ende

01.09.2025 06:23

Baseljetzt

Mit dem Schlussgang und dem Nordostschweizer König Armon Orlik ist das ESAF in Mollis zu Ende gegangen. Ein Eidgenössisches der Superlative: 56’500 Schwingfans verfolgten den Traditionssport in der Glarnerland-Arena, so viele wie noch nie.

Mit dem Bündner Armon Orlik ist der Favorit des OK-Präsidenten des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Mollis GL zum König gekrönt worden. Es ist das Highlight eines ESAF, an welchem Freud und Leid nahe beieinander lagen. Trotz sportlichen Höhepunkten und Freudentränen überschattete ein tödlicher Unfall eines 33-Jährigen das gigantische Fest.

Am Freitagabend wurde der Mann zwischen Netstal und Näfels in der Nähe des ESAF-Campingplatzes von einem Zug erfasst und tödlich verletzt. Warum der Mann den offiziellen Fussweg verliess und trotz Umzäunung auf die Gleise gelangte, wird laut Polizei untersucht. Es sollte der einzige grosse Zwischenfall bleiben.

80 Polizeieinsätze bis Sonntagmittag

Die Kantonspolizei Glarus zog – abgesehen von diesem Unfall – im Gespräch mit Keystone-SDA ein erstes positives Fazit. Rund 80 Mal rückten die Polizistinnen und Polizisten von Donnerstag- bis Sonntagmittag aus.

Die meisten Probleme entstanden wegen Betrunkenen, die Hilfe brauchten oder Stress machten. Dafür, dass bis am Sonntagmorgen mindestens 200’000 Menschen den Grossanlass besuchten, sei alles im zu erwartenden Bereich gewesen, so der Polizeisprecher weiter. Abschliessende Besucherzahlen lagen am Sonntagabend noch keine vor.

OK rundum zufrieden

Ein positives Fazit gab es auch vom Organisationskomitee. Er sei rundum zufrieden, sagte Kamm am Sonntagabend vor den Medien. Ebenso der Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbands, Markus Lauener, und der technische Leiter Stefan Strebel. Die sportlichen Leistungen am ESAF seien top gewesen, waren sich die Funktionäre einig. Mit Orlik habe man einen würdigen Schwingerkönig.

Dieser betonte, dass sein Sieg ein Teamerfolg sei. Seit über einem Jahr hätten er und seine Mitstreiter im Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) auf diesen Moment hintrainiert.

Für ihn soll es in seinem Heimatort Maienfeld GR noch diese Woche einen würdigen Empfang geben, hiess es dort auf Anfrage von Keystone-SDA. Am Sonntagabend hatte Orlik nur noch ein Ziel: Mit seinen Teamkollegen anzustossen.

Übervolle Züge

Der kleine Kanton Glarus mit seinen 40’000 Einwohnenden und engen Talschaften bereitete im Vorfeld einigen im Bezug auf die Verkehrssituation Sorgen. Der Appell des OK’s war deshalb klar: Die Einheimischen sollen das Auto stehen lassen, die Gäste sollen mit dem ÖV anreisen. Die Umsetzung war strikt.

Die 500 Extrazüge waren schliesslich stärker ausgelastet als erwartet, schrieben die SBB am Sonntagabend in einer Mitteilung. Es kam deshalb zu engen Platzverhältnissen und leichten Verspätungen. Insgesamt 170’000 Sitzplätze boten die verlängerten Züge den Schwingfans. Mehrere hundert SBB-Angestellte hätten über das ESAF-Wochenende Sondereinsätze geleistet.

Fast leere Strassen

Das Chaos auf den Strassen blieb zur grossen Überraschung jedoch aus. Und das obwohl die Glarnerland-Arena morgens jeweils bis auf den letzten der insgesamt 56’500 Plätze gefüllt war. Das Organisationskomitee zeigte sich erleichtert.

Viele Schwingfans liessen sich schon vorher auf dem Campingplatz nieder. 30’000 Übernachtungen werden darauf gemäss Angaben auf der ESAF-Webseite angeboten. Weitere 55’000 Übernachtungen verteilen sich am Festwochenende auf Hotels und private Unterkünfte in der Region.

Wetterglück trotz schlechter Prognosen

Die Wetterprognosen sagten wechselhafte ESAF-Tage voraus. Am Donnerstag regnete es dann auch ununterbrochen. Zusätzliche Bodenmassnahmen mussten getroffen werden. Für wie viele Zusatzkosten diese Zusatzmassnahmen sorgten, war bis zum Ende des ESAF noch unklar. Kamm jedoch zeigte sich optimistisch, dass die Einnahmen durch die Besuchenden die Ausgaben übersteigen.

Am Sonntag herrschte entgegen der Vorhersagen strahlender Sonnenschein bei warmen 24 Grad. «Petrus ist eben ein Wetterfreund», freute sich Kamm.

Emotionaler Festakt

So konnte sich das Glarnerland beim Festakt am Sonntagmorgen perfekt inszenieren. Lokale Hymnen wie «Im Glarnerland geboren» wurden gesungen, Fahnen geschwunden oder der Glarner Schabziger gepriesen. Im Schweizer Klassiker «Vogellisi» wurde kurzerhand das Berner Oberland zum Glarnerland umbenannt.

Kamm bedankte sich bei seinem Auftritt inmitten des Schwingplatzes emotional bei seinen Helfern. «Ihr habt dieses Fest zum Leben erweckt. Ihr habt Glarner Geschichte geschrieben», sagte er mit zittriger Stimme.

Die Fans in der Glarnerland-Arena erhoben sich nach Kamms Rede und applaudierten für die über 9500 Helferinnen und Helfer. Gemäss dem Stadionsprecher gab es noch nie so viele freiwillige Helfende an einem Eidgenössischen wie im Glarnerland.

Keller-Sutter lobt Schwinger-Werte

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter propagierte am Festakt die beim Schwingsport gelebten Werte. Der Schwingsport ermögliche ein friedliches Fest und sei Ausdruck der Verbundenheit mit der Schweiz.

Die Schwinger-Werte wie gegenseitiger Respekt, Achtung und Kameradschaft sollen in der Schweiz auch ausserhalb des Sports vermehrt vertreten sein. Nach dem Schlussgang gratulierte Keller-Sutter dem Schwingerkönig Orlik auf X. Es sei «ein wunderschöner Tag, ein prächtiges Fest und ein verdienter Sieger», schrieb die Bundespräsidentin weiter. (sda/lef)

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Kommentare

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01.09.2025 11:08

Hoschi

Ein würdiger Sieger.

2 0
01.09.2025 07:00

menius

Ein toller Anlass mit einem würdigen „König“

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