
Knatsch in der Waschküche: Wo sich die Nachbarschaft gerne aus dem Weg geht
Lea Meister
Wer kennt ihn nicht, den Streit in der Waschküche in Mehrfamilienhäusern? Geht es ums Wäsche waschen, geht man sich in den meisten Nachbarschaften am liebsten aus dem Weg.
Vor wenigen Wochen bin ich umgezogen. Begeistert von der neuen Waschküche mit zwei Waschmaschinen und zwei Tumblern, habe ich kurz nach dem Einzug die erste Wäsche gemacht. Nach dem ersten Waschgang lag ein Post-it-Zettel auf meinem Waschkorb: «Bitte nicht vergessen, den Filter des Tumblers zu reinigen. Merci.» Mit grossem Smiley, mit schwarzem Filzstift aufgemalt.
Der Zettel hat mich provoziert. Vermutlich war er nett gemeint, keine Frage. Doch weshalb hat er mich getriggert? Ich glaube, die Waschküche ist eine der heikelsten Zonen in Mehrfamilienhäusern. Wenn nicht die heikelste. Es handelt sich um einen Raum, in welchem wir uns regelrecht «ausziehen». Schliesslich waschen wir unsere Kleider, unsere Unterwäsche, unsere Bettwäsche dort. Und: Wir wollen dabei nicht gestört werden, oder?
Nicht viele haben eine eigene Waschmaschine
Ein solches Zettelchen heisst für mich: Ich werde beobachtet, jemand weiss, dass ich jetzt Wäsche mache und möchte sichergehen, dass ich den Prozess so befolge, wie er oder sie sich das vorstellt. Und: Wenn ich dem nicht Folge leisten sollte, existiert ein Grund, sich über mich aufzuregen, die Konfrontation zu suchen. Fazit: ungemütlich.
Eine eigene Waschmaschine wäre ein guter Ausweg. Standard ist das noch nicht. Das zeigen Antworten von verschiedenen Immobilienfirmen der Stadt Basel, die wir angefragt haben. So gibt Immobilen Basel-Stadt an, dass nur rund 10 Prozent ihrer Wohnungen mit einer eigenen Waschmaschine ausgestattet sind. Bei den meisten Immobilienfirmen werden diese Daten bisher nicht einmal erhoben.
Schweigen ist Silber, reden ist Gold – zumindest in der Waschküche
Es liegt also die Vermutung nahe, dass noch in vielen Mehrfamilienhäusern «schmutzige Wäsche gewaschen wird». Fragen wie «darf ich die Wäsche meines Nachbarn aus der Maschine nehmen, wenn er dies zu lange nicht tut?» bleiben also brandaktuell. Moment… (Darf ich das eigentlich?)
Rechtlich gesehen: ja. Du solltest dabei einfach Sorgfalt walten lassen. Und, wie bei den meisten Konflikten, bietet es sich wohl an, das Gespräch mit dem entsprechenden Nachbarn zu suchen. In der Waschküche gilt also: Reden ist Gold (und nicht etwa Schweigen).
Wer die Vorstellung nicht erträgt, dass in der Waschküche ungeschriebene Gesetze auch einmal gebrochen werden können, der soll sich eine eigene Waschmaschine zulegen. Ich bleibe derweil entspannt, halte mich von Waschkeller-Fehden fern und wasche meine Hände in Unschuld. Selbstverständlich mit gereinigtem Tumbler-Filter.
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h.jermann@gmx.ch
Ich wohnen seit vielen Jahren in einem Hochhaus mit 70 Wohnungen und zehn Waschmaschinen. wir können alle 14 Tage einen Tag waschen. Wir hatten noch nie Probleme.