
Magnin-Entlassung: Ein Trainerwechsel ist keine Garantie für eine Verbesserung
Florian Vögeli
Die Trainerentlassung war kein Schnellschuss. Die Sportkommission hat Magnin mehrere Chancen gegeben, den Turnaround zu schaffen. Nun scheint sie jedoch den Glauben verloren zu haben, dass er unter Ludovic Magnin noch rechtzeitig gelingen wird. Eine Einschätzung.
In Basel ist man das schon fast gewohnt. Nach wenigen Monaten kommt es beim FCB zu einem Trainerwechsel. Unter der aktuellen Clubführung schaffte es Patrick Rahmen, zehn Monate lang (320 Tage) im Amt zu bleiben. Danach folgt Alex Frei mit rund sieben Monaten (221 Tage). Einzig Meistertrainer Fabio Celestini konnte sich über ein Jahr lang (680 Tage) halten. Er verliess den FCB dann nach dem Gewinn des Doubles in Richtung Moskau. Mit Blick auf die jüngste Vergangenheit des Vereins wusste er wohl, dass er bei der nächsten sportlich schlechten Phase ohnehin entlassen worden wäre.
Es zeigt, wie hoch die Ansprüche in Basel sind. Zumal die Ziele und Erwartungen nach dem Gewinn des Doubles in die Höhe geschossen sind. Diese fallen nun Ludovic Magnin auf die Füsse. Man wolle sich für die Champions League qualifizieren. Als dies verpasst wurde, sollten zumindest die Playoffs der Europa League erreicht werden. Und auf nationaler Ebene soll das Double verteidigt werden. Schliesslich wurde die Meistermannschaft über den Sommer mehr oder weniger beisammen gehalten.
Vom Abstiegskampf zum Serienmeister?
Dabei wäre doch eigentlich zu berücksichtigen, dass der Club vor dieser Meistersaison seit Jahren nicht mehr von Titeln sprechen konnte und in der Vorsaison des Double-Gewinns sogar noch gegen den Abstieg kämpfen musste. In den letzten zwei Jahren gab es eher eine rasante als eine konstante Entwicklung. Leistungsschwankungen könnten die Folge sein. Mit Blick auf die vergangene Saison muss auch Folgendes klar festgestellt werden. Hätte eine Mannschaft wie YB in der Liga wie gewohnt abgeliefert, hätten die Basler den Meistertitel wohl kaum gewinnen können. Daher stellen sich zwei Fragen. War der Kader der letzten Saison wirklich eine klassische Meistermannschaft? Und muss dieser grosse Verein mit seinen grossen Ambitionen nach nur einem guten Jahr gleich wieder Serienmeister werden?
Wenn zumindest die Art und Weise des Spiels auf dem Platz gestimmt hätte und eine positive Entwicklung erkennbar gewesen wäre, hätte die Sportkommission vielleicht auch an Magnin festgehalten. Dann hätte es vielleicht auch keine Konsequenzen für ihn gegeben, wenn er die hohen Saisonziele im Sommer nicht hätte erreichen können.
Magnin selbst ist hoch anzurechnen, dass er das Kind immer beim Namen nannte. Er liess Kritik zu, fand diese auch berechtigt und versteckte sich nie hinter Ausreden. Er sah sich stets in der Verantwortung und suchte die Schuld an der sportlichen Krise nicht woanders. So stellte er nach dem Fehlstart ins neue Jahr selbst fest, dass die Entwicklung in die falsche Richtung lief. Eine Entwicklung, die ihm im Oktober noch gefallen hatte. Vor der Winterpause nahm Magnin dann an, dass die ausbleibenden Ergebnisse und die zunehmend weniger überzeugenden Auftritte im November und Dezember auf den dichten Spielplan und die fehlende Frische zurückzuführen waren. Als es nach den vier Wochen Winterpause aber im selben Stil weiterging, musste er feststellen, dass die Probleme tiefer lagen.
Der Fall YB spricht gegen einen Trainerwechsel
Vor allem im Umgang mit den Spielern kann man Magnin keinen Vorwurf machen. Die Führungsspieler wie Xherdan Shaqiri standen bis zum Ende hinter dem Trainer. Im Dezember äusserte sich Sportchef Daniel Stucki sehr zufrieden darüber, wie Magnin mit den Spielern kommuniziert und ihnen – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Celestini – Wertschätzung entgegenbringt. Das Zwischenmenschliche ist sicherlich eine grosse Stärke von Magnin. Und trotzdem scheint etwas gefehlt zu haben. Die schwachen Auftritte in der ersten Halbzeit in Salzburg oder bei der 1:5-Niederlage in Lausanne sind anders nicht zu erklären. Ein Rezept, um diese Aussetzer abzustellen, hat er nicht gefunden.
Nun stellt sich die Frage, ob ein Trainerwechsel die Lage rechtzeitig verbessert. Dahinter darf ein grosses Fragezeichen gesetzt werden. Ein neuer Trainer allein ist keine Garantie für eine Verbesserung. Das beste Beispiel dafür sind die Young Boys. Nicht einmal die Rückkehr von Gerardo Seoane, einem gestandenen und erfahrenen Trainer, konnte eine Verbesserung bringen. Dafür steht ein grosser Posten zusätzlich auf der Paywall.
Und dennoch setzt der FCB grosse Hoffnungen in den Trainerwechsel. Ein Ruck soll durch die Mannschaft gehen. Die Spieler stehen nun mehr in der Verantwortung. Gleichzeitig ist es aber auch ein Déjà-vu. Erinnerungen an die Entlassungen von Rahmen und Frei werden wach. Auch sie wurden kurz nach der Winterpause von der aktuellen Clubführung ersetzt. Besser wurde es bis zum Saisonende jedoch nicht. Zudem könnte es von Vorteil sein, wenn der FCB auf der Trainerposition Konstanz zeigen würde, während sich der Kader von Sommer zu Sommer stets verändert. Es hätte also auch gute Gründe gegeben, mit Magnin zumindest bis zum Saisonende weiterzumachen.
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Maxli
Der Trainer Magnin hat die Mannschaft nicht weiter entwickeln können. Das ist ein Fakt. Die Spieler haben sich unter ihm auch nicht weiter entwickelt. Auch ein Fakt. Aber: Die Klubleitung (Stucki/Degen) hat auch versagt. Spielermaterial: Schwach. Führungsspieler: Fehlanzeige mit Ausnahme von Hitz, Schmid und Shakiri. Aber: Am bitteren Ende fliegt immer (nur) der Trainer.
René Nussbaum
Wieso muss immer der Trainer der Sündenbock sein?
Ich verstehe das überhaupt nicht.
Hoschi
Das sehe ich auch so, Ludo war nicht so schlecht und ein neuer Trainer kann mit der selben Mannschaft auch keine Wunder vollbringen, vor allem nicht in so kurzer Zeit mit sehr wichtigen Spielen.
Hoschi
Na ist der neue Trainer besser? Hat keine Erfahrung und es ist unglaublich, dass er engagiert worden ist, der hat nicht viele Freunde und wird es auch nicht weit bringen.