Mit Sport gegen Chemotherapie-Nebenwirkungen
©Symbolbild: Keystone
Krebstherapie
Basel-Stadt

Mit Sport gegen Chemotherapie-Nebenwirkungen

01.07.2024 17:00 - update 01.07.2024 16:49
Aliena Müller

Aliena Müller

Mit Training können Chemotherapie-Nebenwirkungen bekämpft werden. Wie ein Forschungsteam unter Basler Leitung zeigte, kann ein spezifisches Training Nervenschäden in vielen Fällen vorbeugen.

Zweimal pro Woche 15 bis 30 Minuten Training: Das kann schon reichen, um die Chemotherapie bedingten Nervenschäden zu verhindern. Fiona Streckmann von der Universität Basel hat dies mit ihrem interdisziplinärem Team erforscht.

Viele Krebsmedikamente greifen nebst den Tumorzellen auch Nerven an, dabei kommt es bei vielen Behandelten zu Symptomen wie beispielsweise Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Gleichgewichtsstörungen. Diese teilweise sehr belastenden Symptome verschwinden nur bei etwa der Hälfte danach wieder. Bei den anderen bleiben sie bestehen. Im Fachjargon spricht man Chemotherapie-induzierter peripherer Neuropathie (CIPN).

Die Studie wurde am Montag in der Fachzeitschrift «JAMA Internal Medicine» veröffentlicht. Dabei nahmen 158 Krebspatient:innen teil, welche eine Therapie mit Oxaliplatin oder Vinca-Alkaloiden erhielten. Die Teilnehmenden wurden per Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt: Die Kontrollgruppe erhielt nur die Standardbetreuung. Die zwei anderen Gruppen trainierten während der Dauer der Chemotherapie zweimal die Woche 15 bis 30 Minuten. Dabei führte eine Trainingsgruppe Übungen mit Fokus auf Gleichgewichtsübungen durch, dies auf zunehmend instabilem Untergrund. Die andere trainierte auf einer Vibrationsplatte.

Lebensqualität erhöht

Das Auftreten von Nervenschäden konnte durch die Trainingseinheiten um 50 bis 70 Prozent reduziert werden, dies zeigte der Vergleich mit der Kontrollgruppe. «Das Potenzial körperlicher Aktivität wird enorm unterschätzt», wurde Studienleiterin Fiona Streckmann in einer Mitteilung der Universität Basel zur Studie zitiert.

Ausserdem hatten die Sporteinheiten laut der Studie auch noch weitere Vorteile: Die subjektiv empfundene Lebensqualität wurde gesteigert und ungünstige Dosisreduktionen der Krebsmedikamente wurden seltener notwendig.

Keine Medikamente dagegen

Das Auftreten von CIPN wird bereits seit einigen Jahren genau untersucht, so Streckmann. «Diese Nebenwirkung hat einen direkten Einfluss auf die klinische Behandlung, etwa weil die eigentlich notwendigen Zyklen der Chemotherapie nicht mehr eingehalten werden, die Dosis der Krebsmedikamente reduziert oder die Therapie ganz abgebrochen werden muss», erklärt die Studienleiterin.

Die Nervenschäden können durch Medikamente weder verhindert noch rückgängig gemacht werden. Dass man nun den positiven Effekt des Trainings belegen kann, habe viel Potenzial. Streckmann und ihr Team erarbeiten momentan einen Leitfaden für Spitäler, um das Training als begleitende Massnahme zur Krebstherapie in die klinische Praxis zu bringen. Ausserdem laufe eine Studie an Kinderspitälern in Deutschland und der Schweiz, um die Wirksamkeit der Massnahme bei Kindern zu prüfen.

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Kommentare

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02.07.2024 09:09

Sonnenliebe

sehr guter Therapieansatz, Sport hilft

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02.07.2024 04:15

pserratore

👍🏻👍🏻👍🏻

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