
Nasa holt ISS-Crew aus medizinischen Gründen vorzeitig zurück
Baseljetzt
Erstmals in der Geschichte der Internationalen Raumstation ISS holt die Nasa eine vierköpfige Astronauten-Besatzung wegen gesundheitlicher Probleme eines Crew-Mitglieds vorzeitig zurück zur Erde.
Der Rückflug sei für «die kommenden Tage» geplant, teilte die Nasa bei einer Pressekonferenz mit. Ein genauer Zeitplan solle so bald wie möglich bekannt gegeben werden. «Ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass es im besten Interesse unserer Astronauten ist, die Crew 11 vor ihrem geplanten Abflug zurückzubringen», sagte der neue Nasa-Chef Jared Isaacman. Man sei auf derartige Situationen immer vorbereitet.
Nasa-Chef-Mediziner: «Kein Notfall»
Zur Identität des Crew-Mitglieds und zu Details der gesundheitlichen Probleme wollte sich die Nasa nicht äussern. Es habe aber nichts mit der Arbeit der Crew an Bord der ISS zu tun und es handle sich auch nicht um einen Notfall, sagte der Chef-Mediziner der Nasa, James Polk. Das Crew-Mitglied sei in stabilem Zustand. «Es bleiben Risiken und Fragen zur Diagnose. Das bedeutet, dass ein Risiko für den Astronauten an Bord bleibt.» Die Gesundheit und das Wohlergehen des Astronauten zu gewährleisten, habe Vorrang, betonte er.
Medizinische Probleme wie beispielsweise Zahnschmerzen habe es bei Astronauten der ISS immer mal wieder gegeben. Vieles könne vor Ort behandelt werden. «Wir haben ein grosses Angebot Medizintechnik an Bord der Internationalen Raumstation. Aber wir haben nicht das komplette Angebot Medizintechnik, das ich beispielsweise in einer Notaufnahme hätte», sagte Polk weiter. In dieser bestimmten Situation sei es am besten, die medizinische Aufarbeitung des Falls auf der Erde fortzusetzen.
Nachfolge-Crew könnte nun früher starten
Zuvor hatte die Nasa wegen der gesundheitlichen Probleme des Crew-Mitglieds bereits einen für Donnerstag geplanten Ausseneinsatz an der ISS kurzfristig abgesagt. An dem Ausseneinsatz hätten die US-Astronauten Zena Cardman und Michael Fincke teilnehmen sollen. Sie sind gemeinsam mit dem japanischen Raumfahrer Kimiya Yui und dem russischen Kosmonauten Oleg Platonow seit Anfang August als «Crew 11» an Bord der ISS. Sie sollten eigentlich noch ein paar Wochen dort bleiben. Ein weiterer Ausseneinsatz war eigentlich für kommende Woche geplant. Es war der erste Flug ins All für Cardman und Platonow, der zweite für Yui und der vierte für Fincke.
Ebenfalls an Bord der ISS sind derzeit Nasa-Astronaut Christopher Williams und die beiden Kosmonauten Sergej Mikaew und Sergej Kud-Swertschkow. Sie waren im November mit einer Sojus-Rakete zur ISS geflogen und sollen noch bis Sommer bleiben.
Französische Astronautin Teil der nächsten ISS-Crew
Der Start der Nachfolger für die «Crew 11» war für Mitte Februar geplant und könnte nun vorgezogen werden, hiess es von der Nasa. Die «Crew 12» besteht aus der Nasa-Astronautin Jessica Meir, ihrem Kollegen Jack Hathaway, einer französischen Astronautin der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Sophie Adenot, und dem Kosmonauten Andrej Fedjajew.
An Bord der ISS leben und forschen seit rund 25 Jahren Astronauten und Astronautinnen aus der ganzen Welt. (sda/sih)
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