Verzögern bei Penalties ist erlaubt – Ex-Schiri Jacottet findet diese Regel «problematisch»
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Verzögern bei Penalties ist erlaubt – Ex-Schiri Jacottet findet diese Regel «problematisch»

03.07.2024 10:59 - update 03.07.2024 16:54
David Frische

David Frische

Anlaufen, verzögern, schiessen: An der laufenden EM sehen die Fussballfans ausgeklügelte Penalties. Das Regelwerk überlässt den Schützen viel Spielraum. Ex-Schiedsrichter Adrien Jacottet hat Mühe damit.

Es war ein kontroverser Moment, als Polens Tormaschine Robert Lewandowski in der 77. Spielminute gegen Frankreich zum Penalty anlief. Nicht die Art und Weise, wie der Elfmeter zustande gekommen war, sorgte für Diskussionen. Sondern, wie Lewandowski ihn ausführte. Anlaufen, verzögern, weiter anlaufen, kurz vor dem Schuss nochmal verzögern und Abschluss.

Was ein wenig wie Ballett aussieht, macht im Profifussball immer mehr die Runde. Das Regelwerk erlaubt dem Penaltyschützen nämlich, während des Anlaufs abzustoppen und zu verzögern. Einzig die Schussabgabe muss in einer Bewegung ausgeführt werden, der Schütze darf also den Schuss nicht antäuschen. Meister-Schützen wie Lewandowski machen sich einen Sport daraus, durch immer kreativere Anlaufmethoden möglichst einen Vorteil gegenüber dem Torhüter zu gewinnen.

Lewandowski verschoss. Der Penalty des Polen musste aber wiederholt werden. Nicht etwa, weil Lewandowski irregulär abgeschlossen hatte, sondern weil der französische Torhüter Mike Maignan die Füsse zu früh von der Torlinie nahm, als er den Elfer parierte. Schiedsrichter Marco Guida bat erneut zum Punkt. Lewandowski tänzelte erneut – und verwandelte den zweiten Versuch sicher in der linken unteren Ecke.

Jacottet plädiert für Regeländerung

Der ehemalige Schweizer Spitzenschiedsrichter Adrien Jacottet verfolgt die Euro zu Hause am TV. Dass die Penaltyschützen ihr Verhalten anpassen, sei logisch, da sie das Regelwerk ausreizen wollen, sagt der Basler auf Anfrage. «Während des Anlaufs darf der Schütze beliebig oft verzögern oder seine Bewegung stoppen. Eine Finte ist daher erst nach Abschluss des Anlaufs verboten.» Daher sei eine Verzögerung des Anlaufs legitim.

Trotzdem sieht er Anlaufmethoden wie jene von Lewandowski kritisch: «Es irritiert, wenn der Schütze hin und herspringt und im letzten Moment vor dem Schuss noch einen Sprung ausübt». Das erschwere die Situation für den Torhüter zusätzlich, der bis zur Schussabgabe mindestens einen Teil eines Fusses auf oder hinter der Torlinie haben muss.

Das Regelwerk zum Penalty wurde vor ein paar Jahren geändert. Nach Meinung Jacottets keine gute Idee: «Ich finde es problematisch und würde dafür plädieren, dass der Penalty in einer ununterbrochenen Bewegung ausgeführt werden muss.» Der Schütze habe auch dann die Wahl einer Ecke.

Ronaldo machts anders

Im Achtelfinal-Duell zwischen Portugal und Slowenien trat Superstar Cristiano Ronaldo zum Penalty an, und zwar gleich zweimal. Beim ersten Versuch in der regulären Spielzeit lief er ohne Verzögerung an – und verschoss.

Im Penaltyschiessen fasste sich «CR7» nochmals ein Herz. Diesmal verwandelte er den Elfer präzise links unten. Ronaldo verzögerte zwar beim Anlaufen – allerdings nicht kurz vor der Schussabgabe.

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Kommentare

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03.07.2024 19:25

Sonnenliebe

das finde ich auch

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03.07.2024 09:07

snape

Ich bin ganz seiner Meinung, diese Verzögerung ist unfair gegenüber dem Torhüter. Sollte man schleunigst abschaffen.

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