Bauen an einem Ort der Totenruhe – wie geht das?
©Bild: Baseljetzt
Stadtgärtnerei
Basel-Stadt

Bauen an einem Ort der Totenruhe – wie geht das?

09.07.2024 18:30 - update 10.07.2024 09:38
David Frische

David Frische

Friedhöfe sind ein Ort der Stille. Und doch sind Bauarbeiten auch dort unumgänglich. So auch auf dem Hörnli, wo die Stadtgärtnerei die Wasserleitungen sanieren muss – unter Berücksichtigung der Totenruhe.

Seit 1932 existiert er, der grösste Friedhof der Schweiz. Und nach über 90 Jahren muss auch auf dem Hörnli das eine oder andere saniert werden. So zum Beispiel die unterirdischen Wasserleitungen. Auf einem Friedhof sind die essenziell. Sorgen sie doch für die angemessene Bewässerung der Grabbepflanzung und der Begrünung drumherum.

Die Basler Regierung hat vergangene Woche 500’000 Franken für den Erhalt der Infrastruktur auf dem Friedhof Hörnli gesprochen. Im Herbst fahren auf der Ruhestätte also die Bagger auf. Doch eine Baustelle auf dem Friedhof, wo bleibt da die Pietät?

Vorgehen nach Zonen und Zeitplan

Die Basler Stadtgärtnerei hat einen genauen Fahrplan. Auf dem riesigen Friedhof Hörnli gibt es eine Menge an Wasserleitungen auszutauschen. Mit 50 Hektaren hat er etwa die Grösse einer kleinen Gemeinde. Die Grossflächigkeit des Hörnli hat aber auch Vorteile. Es gibt aktive und nicht aktive Zonen. Zonen sind nicht aktiv, wenn sich darin zurzeit keine Reihengräber befinden. Diese werden nach 20 Jahren von Gesetzes wegen aufgehoben. Dann befinden sich in der entsprechenden Zone «nur» noch Familiengräber, für die längere Fristen gelten.

Bauen an einem Ort der Totenruhe – wie geht das?
Die zurzeit nicht aktive Zone 6 auf dem Friedhof Hörnli. Die Familiengräber sind rundherum angeordnet. Bild: Baseljetzt

Bei ihren Bauarbeiten geht die Stadtgärtnerei also nach Zonen vor. Wie Thomas Gerspach von der Abteilung Grünplanung der Stadtgärtnerei erklärt, beginnen im Herbst die Bauarbeiten in der Zone 6. «Der Vorteil ist, dass dieses Feld momentan nicht von Urnen- oder Erdreihengräbern belegt wird.» So könne die Stadtgärtnerei die Gunst der Stunde nutzen und die unterirdischen Wasserleitungen erneuern. Im Zuge der Arbeiten würden auch gleich die Gehwege neu gemacht., so Gerspach. «Die Arbeiten dauern zwei bis zweieinhalb Monate. In zwei bis drei Jahren ist das Feld 6 dann im Belegungsturnus wieder an der Reihe.» Heisst: Ab dann werden auf der frisch sanierten Anlage wieder Gräber eingerichtet.

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Thomas Gerspach von der Basler Stadtgärtnerei vor dem Zonenplan des Friedhof Hörnli. Bild: Baseljetzt

Was passiert bei einer Bestattung in der Bauzone?

Trotzdem kann es vorkommen, dass die Stadtgärtnerei rund um bestehende Gräber arbeiten muss. Dabei handelt es sich um besagte Familiengräber. «Sollten bei den Familiengräbern Beisetzungen stattfinden, ist der Unternehmer angehalten, während der Beisetzung den Baubetrieb einzustellen und zu warten, bis die Beisetzung vorbei ist und die Angehörigen den Ort verlassen haben. Dann darf er weiterarbeiten», so Gerspach. Auch während der Bauarbeiten achte die Stadtgärtnerei darauf, dass die Gräber erreichbar sind.

Hörnli liefert eindrückliche Zahlen

Wie wichtig Wasser auf dem Friedhof Hörnli ist, zeigen einige Zahlen: «Der Wasserverbrauch auf dem Friedhof entspricht jenem einer kleinen Gemeinde mit rund 550 Einwohnern», erklärt Gerspach. Nebst den Wasserleitungen für die Bewässerung hat der Friedhof Hörnli rund 170 Brunnen.

Bauen an einem Ort der Totenruhe – wie geht das?
Wasser ist auf dem Friedhof zentral. Bild: Baseljetzt

Bauarbeiten auf dem Friedhof sind übrigens nichts Neues. Die Erneuerung der Wasserversorgung ist ein Projekt, das bereits seit rund zehn Jahren läuft, wie Gerspach erklärt. Auf dem Hauptfriedhof gibt es insgesamt elf Abteilungen. «Bis 2030 sollten wir alle Wasserleitungen saniert haben, damit diese für die nächsten 30 bis 50 Jahre halten.»

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Kommentare

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10.07.2024 05:13

pserratore

👍🏻

0 0
10.07.2024 04:05

spalen

ist die planung gut, geht das bauen auch viel besser und störungsfreier

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