Bio-Gemüsekiosk-Besitzer Fäh: «Es geht nicht um mich, sondern um die Dienstleistung, die wegfällt»
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Allschwilerplatz
Basel-Stadt

Bio-Gemüsekiosk-Besitzer Fäh: «Es geht nicht um mich, sondern um die Dienstleistung, die wegfällt»

17.05.2024 06:03 - update 17.05.2024 16:47
Maximilian Karl Fankhauser

Maximilian Karl Fankhauser

Der Grosse Rat hat entschieden. Der Allschwilerplatz wird umgestaltet und verliert dadurch den Bio-Gemüsekiosk. Sein Besitzer steckt nun mit der Quartierbevölkerung die Köpfe zusammen und sucht nach Lösungen.

Mehr Grünflächen, mehr entsiegelte Flächen und auch mehr Begegnungsräume. Das ist der Allschwilerplatz der Zukunft. Zumindest wenn es nach der Umwelt- Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) des Grossen Rats gehen soll. Diese befand, dass der Vorschlag der Regierung nicht das volle Potential ausschöpfen würde. So wurden elf neue Bäume ins Projekt eingefügt, die Flächen mit durchlässigem Mergelbelag vergrössert und die 25 von der Regierung noch belassenen Parkplätze bis auf vier gestrichen. Ein weiterer Kritikpunk am Regierungsprojekt ist der komplette Wegfall des Tramwarthäuschen mit dem dort integrierten Kiosk.

Nur: Auch im überarbeiteten Vorschlag der Uvek findet sich das Tramwarthäuschen nicht wieder. Es soll im Zuge der Umgestaltung durch aktuelle Haltestellen ersetzt werden. Weil auch die Gleise verschoben werden, kann es zudem nicht an seinem angestammten Ort stehen bleiben, schreibt die Uvek in ihrem Bericht.

Dagegen regt sich nun Widerstand. Niklaus Fäh, der mit seinem Bio-Kiosk seit vier Jahren auf dem Allschwilerplatz residiert, wendet sich mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen. Ihn stört vor allem, dass mit dem Tramwarthaus etwas Identitätsstiftendes verloren gehen würde, geschweige denn für seinen Kiosk keine Zukunft bestehen würde.

Vier Punkte

In seinem offenen Brief moniert Fäh vier Punkte. Es sei nicht einmal geprüft worden, ob das bestehende Tramwarthaus wiederverwendet werden könne. Und dies in Zeiten, wo das Konzept des zirkulären Bauens an Bedeutung gewinne. Eine Normhaltestelle nennt Fäh mutlos und innovationsarm. Fäh argumentiert, dass sein Bio-Gemüsekiosk die von der Regierung vorangetriebene Strategie für nachhaltige Ernährung schon lange gut umsetzen würde. Ein einmaliger Gemüsemarkt würde den Bedarf nicht abdecken können.

Auch der soziale Aspekt, den ein solcher Kiosk mit sich bringe, wird von Fäh genannt. Er werde von den Bewohnenden des Quartiers geschätzt und frequentiert. Ganz allgemein schreibt Fäh: «Dieser Betrieb hat sich etabliert und ist im Quartier sehr beliebt. Ihn ohne Not abzuschaffen, ist unverständlich.»

Sein Ziel sei es nun, dass sein Gemüse-Kiosk mit einer semi-mobilen Lösung auch nach der Umgestaltung im 2029 bestehen könne. Der Grosse Rat hat am Donnerstag mit 57 Ja- zu 28 Nein-Stimmen 3,8 Millionen Franken für die Neugestaltung des Platzes bewilligt.

Quartierbevölkerung mit einbeziehen

Die Kommission schlug zusätzlich vor, die Quartierbevölkerung weiterhin zur Mitwirkung einzubinden. Für konkrete Projekte soll eine Summe von 150’000 Franken eingestellt werden.

Im Grossen Rat stiessen die von der Kommission einstimmig eingebrachten Vorschläge in einer langen und lebendig geführten Debatte nicht nur auf Zustimmung. Hier werde ein nicht unbedingt schöner, aber beliebter Platz kaputt renoviert, sagte Grossrat André Auderset als Sprecher der LDP. Unter anderem sei nicht nachvollziehbar, warum das Tramhäuschen mit dem beliebten Gemüsekiosk verschwinden soll. Er beantragte die Rückweisung des Berichts an die Regierung.

Politiker bedauern Wegfall

Für Rückweisung plädierte auch die SVP. Für diese Partei war vor allem die Streichung der Parkplätze Grund für das Missfallen. Das galt auch für Daniel Seiler (FDP), der daran erinnerte, dass in jüngerer Vergangenheit bereits zahlreiche Parkplätze im Umfeld des Platzes abgebaut worden seien. Der Antrag auf Rückweisung wurde mit 57 zu 33 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt.

Raffaela Hanauer von der Grünen erinnerte daran, dass das Tramhäuschen an der jetzigen Stelle dem behindertengerechten Umbau der Tramhaltestelle gezwungenermassen zum Opfer fallen werde. Bei einem allfälligen Neubau des Häuschens mit Kiosk müsse eine Neunutzung ausgeschrieben werden – für einen Mietzins, der für den heutigen Betreiber des Gemüsekiosks wohl nicht mehr in Frage käme, sagte sie.

Das Schicksal des Gemüsekiosks bewegte noch weitere Sprecherinnen und Sprecher aus dem Rat. Jean-Luc Perret (SP) sagte, dass bei der Gestaltung des Platzes mit der Gewährung von Mitwirkungsflächen darauf geachtet worden sei, dass solche Lösungen in flexibler Form nicht verunmöglicht würden. Andere Sprecher bedauerten, dass ein sehr beliebtes Angebot der Neugestaltung geopfert werde.

Die Suche nach dem Kompromiss

Fäh selbst gibt sich zwiegespalten. «Eigentlich finden wir den Vorschlag der Uvek ja gut.» Dennoch seien er und sein Team enttäuscht, dass ihr Angebot restlos gestrichen würde. «Es geht hierbei nicht um mich, sondern um die beliebte Dienstleistung, die wegfällt.»

Deswegen sei es ihm auch wichtig, dass er sich mit dem Quartier austauschen könne. «Am 24. Mai organisieren wir auf dem Allschwilerplatz einen Event.» Dort wolle er mit den Quartierbewohner:innen das weitere Vorgehen besprechen. Von der Petition, über das Referendum bis hin zu anderen Optionen ist also alles möglich. Was Fäh aber extrem wichtig ist: «Wir sind nicht destruktiv und auf der Suche nach dem besten Kompromiss.» (sda/maf)

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Kommentare

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17.05.2024 22:42

Nestor1

Typisch für die Betonköpfe in Regierung und Parlament und ein Riesen Theater für eine Schrotthütte bei m Wasserturm (Denkmalschutz im Nachhinein) und nun etwas Bewährtes (und im Quartier liegend, benutztes einfach abreissen. Wie wäre es mal mit dem Abriss vom Rathaus?…

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17.05.2024 15:26

regas

Jä super s git dängg dr glichi guggus wie am wielandplatz….

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