Blattner nach Hass aus eigener Partei: «Ich werde verfolgen, ob die EVP das konsequent aufarbeitet»
David Frische
Am Montag gab Lea Blattner ihren Rücktritt als Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz bekannt, weil ihr Coming-Out Hass und Drohungen ausgelöst hatte. Die Allschwilerin äussert sich nun gegenüber Baseljetzt.
Lea Blattners Rücktritt schlug hohe Wellen. Neben Zuspruch erhielt die 32-jährige Allschwilerin Hassbotschaften, Ablehnung und Drohungen – auch aus der eigenen Partei, der EVP.
Auf Instagram erläuterte Blattner, was ihr seit ihrem Coming-Out – Blattner ist lesbisch – widerfuhr. Sie habe innerhalb der EVP und ihrem Umfeld «viel Liebe, aber auch wiederholt Ablehnung und Hass erlebt, sowie (Mord-)Drohungen erhalten», so die zurücktretende Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz.
Gegenüber Baseljetzt äussert sich Blattner nun nochmals zu den Geschehnissen: «Es ist schön zu sehen, dass man in solchen Momenten und Situationen zusammensteht und zusammen für etwas kämpft. Es müssen nicht alle derselben Meinung sein. Aber es geht darum, dass wir Menschenrechte wahren, und das in unserer Gesellschaft ein Grundpfeiler sein soll. Und es bedeutet mir viel, das von überall zu hören.»
«Ich werde nicht aufhören mit der Politik»
Auch die EVP Schweiz reagierte öffentlich auf die hässlichen Botschaften an Blattner. Die Evangelische Partei wolle die Situation aufarbeiten und dafür sorgen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr geschieht. Blattner sagt, sie sei mit diesem Statement «soweit zufrieden». «Aber ein Statement ist etwas auf Papier. Und ich werde weiterhin verfolgen, wie es weitergeht und ob sie wirklich aus diesen Worten Taten folgen lassen und dies konsequent aufarbeiten.» Sie sei zu einem Gespräch mit der Präsidentin der EVP Schweiz, Lilian Studer, eingeladen worden, und diese Einladung werde sie annehmen.
Ob Blattner ganz aus der EVP austritt, lässt sie noch offen. Als Einwohnerrätin in Allschwil will sie weiter politisieren. «Ich werde nicht aufhören mit der Politik. Es zeigt mir auch, dass man Unrecht benennen muss, und das werde ich weiterhin tun.» Man müsse nicht alles schlucken, man dürfe auch mal sagen, wenn einem Unrecht geschieht. «Mir ist es wichtig, laut zu sein für diese Menschen, die es nicht können, die die Möglichkeit nicht haben.»
Aus der Baselbieter Politik habe Blattner ausschliesslich positive Reaktionen auf ihr Coming-Out erhalten. Am Donnerstag wird sich in der Fraktionssitzung zeigen, wie die Fraktionspartnerin der Baselbieter EVP, die Grünen, mit der Situation umgehen.
Mitarbeit: Nathalie Schaffner
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MatthiasCH
Warum sollte die Frau überhaupt noch in solch einer Partei bleiben?
spalen
schrecklich, dass man nach dem coming out mit solchen reaktionen zu tun bekommt, auch aus der eigenen partei, die sich den christlichen grundsätzen verschrieben hat.
die sexuellen präferenzen oder lebensweisen sollten kein thema sein!
Hoschi
Und weshalb akzeptieren Sie Bill und Tom Kaulitz nicht als Menschen? Das widerspricht sich und ist unmenschlich und kontrovers.