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FCB-Ersatztorwart Salvi: «Wusste nicht, ob ich jemals wieder Fussball spielen kann»

05.07.2024 18:19 - update 05.07.2024 18:05
Florian Metzger

Florian Metzger

Mirko Salvi spricht im Interview über seinen Werdegang, die Wichtigkeit des Konkurrenzkampfs und ein Jahr ohne Fussball, welches ihn sehr geprägt hat.

Die Rolle des Ersatztorhüters ist keine einfache. Die Nummer zwei stellt sich in den Dienst der Mannschaft, steht oft nicht im Rampenlicht und muss doch plötzlich voll da sein, wenn es darauf ankommt. So geht es auch Mirko Salvi in seiner Zeit beim FCB. «Natürlich will man als Sportler immer spielen. Aber es gibt eine Hierarchie, die ich akzeptieren muss. Mit Marwin Hitz steht vor mir ein sehr erfahrener Torhüter, der eine gute Saison gespielt hat.»

Gesunder Konkurrenzkampf mit der Nummer 1

Seine wichtigste Aufgabe als Ersatztorhüter sieht er darin, einen gesunden Konkurrenzkampf mit der Nummer eins zu haben. «So können wir uns beide weiterentwickeln und uns gegenseitig pushen. So helfe ich ihm, seine beste Leistung abzurufen. Am Ende wollen wir beide mit dem Verein erfolgreich sein, egal, wer schlussendlich spielt.» Die Beziehung zu Hitz sei sehr respektvoll. «Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander, sei dies im Training oder auch neben dem Platz. Wir haben viel Spass zusammen. Er ist ein super Typ.» Trotz des Konkurrenzkampfes geht es in den Gesprächen zwischen den beiden nicht immer nur um Fussball. Es sei ein freundschaftliches Verhältnis.

Obwohl er seine Rolle sehr gut einschätzen könne, gibt es wie bei allen Sportlern Momente, in denen er Rückschläge verkraften muss. «Dann finde ich bei meiner Familie Zuflucht. Sie ist mein Ein und Alles.» Vor vier Jahren, vor seiner Rückkehr nach Basel, braucht er seine Familie mehr denn je. Zwei Jahre hintereinander hat der Waadtländer mit schweren Verletzungen zu kämpfen. «Da war ich unglaublich froh, dass meine Frau immer für mich da war.»

Ein gebrochener Fuss und ein gerissenes Innenband. Doch das Schlimmste ist damals ein Problem mit den Nerven in der Schulter. «Ich hatte keine Muskelstimulation mehr in der Schulter. Ein ganzes Jahr lang konnte ich keinen Fussball mehr spielen. Alle zwei Monate musste ich zum Neurologen. Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht, ob ich jemals wieder Fussball spielen könnte und fragte mich, ob ich meine Karriere beenden sollte.»

«Es gibt viel Wichtigeres als Fussball»

Diese Zeit hat ihn sehr geprägt. «Ich musste im Paraplegiker-Zentrum Nottwil ein Gerät holen, um meinen Muskel dreimal am Tag zu stimulieren, damit er nicht abstirbt. Dort sah ich Menschen im Rollstuhl mit schlimmen Verletzungen. Und dort wurde mir bewusst, dass ich im Vergleich zu ihnen eigentlich gar nichts habe. Es gibt viel Wichtigeres als Fussball.» Doch Salvi will seinen Traumberuf weiter ausüben können. Er kämpft sich zurück ins Fussballgeschäft, auch dank der Unterstützung seiner Familie. «Jetzt ist mit meiner Schulter alles wieder gut. Ich habe keine Beschwerden mehr.»

Der Sohn italienischer Eltern wächst in Yverdon auf und findet schon früh den Weg zum Fussball. Für ihn gibt es schon damals keine andere Position als die des Torhüters. «Es war nicht so, dass ich mit dem Ball am Fuss nichts anfangen konnte. Ich war einfach immer grösser als die anderen Kinder. Die Rolle des Torhüters hat mir schon immer sehr gut gefallen».

Bis zu seinem 15. Lebensjahr spielt er im Nachwuchs von Yverdon. Dann folgt der Wechsel nach Basel. Dazwischen kann er sich im Ausbildungszentrum des schweizerischen Fussballverbands in Payerne an professionelle Strukturen gewöhnen. «Damals waren diese Zentren für junge Spieler sehr wichtig, denn es gab nicht viele Vereine mit einer guten Nachwuchsförderung.» In der Zeit in Payerne werden Scouts des FCB auf Salvi aufmerksam. «Sie haben mich beobachtet und ich habe scheinbar einen guten Eindruck gemacht. Peter Knebel war damals der Nachwuchschef und hat mich nach Basel geholt.» Dabei hat Salvi zur selben Zeit auch die Möglichkeit, in den Nachwuchs von Atalanta Bergamo zu wechseln.

Ein lukratives Angebot. Nicht nur, weil es sich um einen Verein der grossen Serie A handelt. Sondern auch, weil Salvi tief mit der norditalienischen Stadt verwurzelt ist. «Meine Eltern stammen aus Bergamo. Wir haben heute noch viele Verwandte dort.» Er nimmt an einem Probetraining teil und überzeugt auch dort die Verantwortlichen.

«Ich hatte nur Fussball im Kopf»

Dennoch entscheidet er sich gegen die Stadt seiner Eltern. «Ich wollte unbedingt zum FCB, weil das der grösste Verein der Schweiz ist. Mein Gefühl sagte mir, dass es die beste Entscheidung sei. Mit mir sind damals auch drei oder vier Spieler aus der Romandie nach Basel gekommen. Das war eine super Zeit!» Er kommt in das U16-Team, das von Werner Mogg trainiert wird.

Seine Familie kann ihn nicht nach Basel begleiten. Auf dem ehemaligen FCB-Campus in Muttenz und später im Lehenmattquartier ist er in jungen Jahren auf sich allein gestellt. Mit Disziplin hat Salvi schon als Jugendlicher keine Probleme. «Ich hatte immer nur ein Ziel vor Augen. Ich wollte unbedingt Profifussballer werden. Ausgehen oder andere Ablenkungen haben mich nicht wirklich interessiert. Ich hatte nur Fussball im Kopf.»

Von der Wichtigkeit der Erfahrung

Basel ist seine neue Heimat geworden. «Ich fühle mich hier zuhause. Es passt einfach. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich meinen Vertrag um drei Jahre verlängern konnte. Ich liebe diesen Club.» Natürlich träumt auch er davon, irgendwann die Nummer eins bei Basel zu sein. «Ich arbeite täglich hart in den Trainings, damit ich bereit wäre, diese Rolle zu übernehmen.» Von der Möglichkeit, dass ein jüngerer Torhüter Hitz beerben könnte, zeigt er sich unbeeindruckt. «Natürlich kann das passieren. Aber auch dann wäre es ein Konkurrenzkampf, den ich annehmen würde. Ich denke, es braucht auch eine gewisse Erfahrung in einer Mannschaft und diese bringe ich zweifellos mit.»

Mit Stationen bei Yverdon, Biel, Lugano, GC, Luzern und dem FCB hat er tatsächlich schon einiges erlebt. Zudem darf er sich dreifacher Schweizer Meister nennen. Wenn auch nur als Ersatztorhüter, so hat er doch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. «Mein Karriereziel ist es, mit dem FCB noch einmal Meister zu werden.» Und wenn Salvi so lange spielt, wie sein Vorbild Gianluigi Buffon, hat der 30-Jährige dafür noch 14 Jahre Zeit. 

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