
Frierende Laternenmaler in der Messehalle: «Es ist schlicht und einfach zu kalt»
David Frische
Wenige Wochen vor der Fasnacht wird der malenden Zunft alles andere als warm ums Herz: Tiefe Temperaturen in der Messehalle machen den Laternenmalern zu schaffen. Aber die Halle zu heizen, wäre zu teuer.
Das Wichtigste in Kürze
- In der Messe arbeiten Basler Laternenmaler:innen bei tiefen Temperaturen, was sich negativ auf die Arbeit auswirkt
- Die unbeheizte Halle ist vertraglich so vereinbart, da eine Heizung die Kosten stark erhöhen würde
- Die Malenden hoffen auf mehr Unterstützung für das Weltkulturerbe Basler Fasnacht
In der Messehalle 5 schwingen die Basler Laternenmaler:innen fleissig die Pinsel. Auch wenn der Morgestraich in wenigen Wochen bevorsteht, kommen sie nicht ins Schwitzen. «Es ist schlicht und einfach zu kalt, um über mehrere Stunden konzentriert zu arbeiten», sagt Laternenmaler Joshua. Nach drei bis vier Stunden sei man ausgelaugt. Laternenmalerin Mimi bestätigt dies. In der Messehalle herrschten Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad. «Alle sind unzufrieden. Wir sind am Überlegen, was wir unternehmen können.»
Joshua hat bereits Konsequenzen gezogen und seine Arbeit in sein eigenes Atelier am Dreispitz verlegt. Dort ist es wärmer. Joshua malt eine Laterne für eine Junge Garde, die weniger als drei Meter hoch ist. Dadurch passt sie knapp in sein Atelier. Viele andere Maler:innen haben diese Möglichkeit nicht, da sie grosse Laternen malen. «Es ist schwierig, alternative Hallen zu finden», sagt Mimi. «Und ich kann für alle sprechen.»
Dankbar für das Angebot
Mehrere Laternenmaler:innen beklagen sich gegenüber Baseljetzt über die Kälte in der Messehalle, die meisten wollen aber nicht namentlich genannt werden. Im selben Atemzug betonen sie, wie dankbar sie um die Möglichkeit seien, in der Messehalle arbeiten zu können. «Das Angebot ist grundsätzlich super», sagt Joshua. «Und ich empfinde es als gut, dass dieses von den Cliquen organisiert wird. Dass es ein Bindeglied zwischen Messe und Cliquen gibt. Da spreche ich für alle.»
Seit Jahren bietet die MCH Group den Laternenmaler:innen und den Wagenbauer:innen die Gelegenheit, in den Monaten vor der Fasnacht in ihren Hallen zu arbeiten. Möglich macht dies der Fasnächtler Peter Gerspacher. Er ist Mitglied des Schyssdräggziiglis D’Usssetzer und fungiert als ebendieses Bindeglied zwischen Cliquen und Messe Schweiz. Die Fasnächtler können für einen erschwinglichen Preis von 13 Franken pro Quadratmeter* Flächen in der Messehalle mieten. Das Angebot erfreut sich bei Wagenbauer:innen und Laternenmaler:innen grosser Beliebtheit.
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Bis ins Jahr 2024 teilten sich Wagenbau und Laternenmalerei die Arbeitsflächen in der Messehalle 2. Seit letztem Jahr arbeiten die Laternenmaler:innen in der Halle 5. Während es in Halle 2 mit dem Rundhof ein paar Grad wärmer gewesen sei, müssten sie nun «in Winterkleidern und mit Handschuhen» arbeiten, so Joshua. Der Grund für den Umzug war die grosse Nachfrage nach den beliebten Arbeitsplätzen
Situation vertraglich klar geregelt
Gerspacher will sich auf Anfrage von Baseljetzt zum Thema nicht äussern. Die MCH Group erklärt in einem kurzen schriftlichen Statement: «Wir haben die Mieter im Vorfeld darüber informiert, dass die Halle nicht beheizt wird, da eine Beheizung der Halle mit erheblichen Mehrkosten verbunden wäre und wir die Halle entsprechend nicht zu den gleichen Konditionen hätten anbieten können.» Kurzum: Die Fasnächtler wussten, worauf sie sich einlassen. Die Kälte erwischt sie nun trotzdem.
«Es beschweren sich alle, dass es zu kalt ist», so Joshua. Manche würden kleine Heizkörper mitbringen, um wenigstens direkt bei der Laterne etwas wärmer zu haben, sagt Mimi. Obwohl es eigentlich nicht erlaubt sei wegen besagter Mehrkosten. Die Kälte setzt nicht nur den Malenden zu. Sie erschwere auch das Handwerk an sich, sagen sowohl Joshua als auch Mimi. Das Leimen sei schwieriger. Und die Farbe hafte weniger gut auf der Laterne.
Malende fordern mehr Unterstützung
Die Hoffnung auf Besserung haben die Künstler:innen noch nicht ganz aufgegeben. Joshua würde gerne wieder zurück in die Halle, wenn es denn wärmer wäre. «Es wäre schön, wenn das Weltkulturerbe Basler Fasnacht auch von Basel unterstützt wird.» Die Frage ist nur, wer das Portemonnaie öffnen soll.
So bleibt Mimi vorerst nichts anderes übrig, als den tiefen Temperaturen zu trotzen. Und Joshua malt in seinem Atelier am Dreispitz weiter. Die Atmosphäre in der Messehalle fehlt ihm, trotz der Kälte: «Der Austausch mit der Community ist nicht mehr da. Das vermisse ich».
*In einer früheren Version war von 30 Franken pro Quadratmeter die Rede. Diese Zahl ist falsch und wurde korrigiert.
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skywings2
Ich erwarte ohne wenn und aber dass die Stadt Basel diese Kosten übernimmt. Basel profitiert sehr viel von der Fasnacht. Muss man die Stadt erst darauf “lüpfen” oder geht es nun vorwärts Marsch ?