Identifizierung der Opfer dauert laut Experte mehrere Tage
©Bild: Keystone
Crans-Montana
Schweiz

Identifizierung der Opfer dauert laut Experte mehrere Tage

02.01.2026 13:43 - update 02.01.2026 15:09

Baseljetzt

Der italienische Rechtsmediziner Matteo Scopetti sagt, die Identifizierung der Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana dauere mindestens fünf bis sechs Tage. Er war 2016 am Erdbeben von Amatrice beteiligt.

«Es gibt Verfahren – sobald der Ort begehbar ist – die in Gang gesetzt werden, um die Identität festzustellen», sagte der ausserordentliche Professor für Rechtsmedizin an der Universität Sapienza in Rom und Chefarzt am Universitätsspital S. Andrea in Rom der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos.

«Was in der Schweiz passiert ist, ist ein Massenunglück. Massenunglücke können durch Naturereignisse wie etwa ein Erdbeben oder durch den Menschen, wie mutmasslich im Fall des Brands in Crans-Montana, verursacht werden», erklärte Scopetti.

Internationale Zusammenarbeit

«Diese Ereignisse haben sehr präzise Merkmale und aufgrund ihres Ausmasses, wie in der Schweiz geschehen, sind häufig medizinische Fachkräfte aus mehreren Ländern beteiligt, die helfen und zusammenarbeiten können», führte der Experte aus.

Am Ort der Tragödie arbeiten Teams von Spezialisten zur Identifizierung von Katastrophenopfern, sogenannten DVI-Spezialisten (Disaster Victim Identification). Sie haben die Aufgabe, verkohlte oder von der Explosion betroffene Körper zu identifizieren», erklärte Scopetti.

«Der erste Schritt ist die äussere Untersuchung der Leiche: ob Identifizierungsmerkmale vorhanden sind, ob der Körper unversehrt ist, ob es schwache Merkmale (wie Augenfarbe oder Tätowierungen) und andere stärkere (wie Gebiss und Fingerabdrücke) gibt.

Aufwändige DNA-Analyse

Schliesslich wird in den schwierigsten Fällen die DNA-Analyse durchgeführt. «Das ist keine leichte und schnelle Arbeit», betonte der Experte. «Ich habe an den Rettungsmassnahmen und am DVI-Team beim Erdbeben im italienischen Amatrice teilgenommen. Es braucht mehrere Tage, um zu ersten Ergebnissen zu kommen.»

«Unter den verschiedenen Ansätzen», fährt er fort, «gibt es ein Identifizierungssystem, das die Informationen integriert, die über eine Person vor und nach dem Tod verfügbar sind.

Der Rechtsmediziner, der die Leiche untersucht, muss im Einklang mit den Polizeibehörden arbeiten, bei denen die Informationen zu Vermisstenanzeigen der Angehörigen, Zeugenaussagen und Anwesenheitslisten eingehen. Oft werden diese Informationen dann abgeglichen, um zu einem Phantombild zu gelangen.

Keine geschlossene Liste

«Bei Katastrophen mit Flugzeugen haben wir eine geschlossene Liste: Es gibt die Namen der Passagiere, und das hilft bei der Identifizierung nach dem Unfall», fügte Scopetti hinzu.

Im Fall des Brandes in Crans-Montana sei die Situation offener. «Wir haben vielleicht den Namen einer Person, die einen Tisch reserviert hat, aber nicht von allen, die hineingegangen sind», sagte der Experte weiter.

«Die Schweizer Behörden werden, angesichts der Beteiligung unserer Landsleute, vermutlich die Hilfe italienischer Experten annehmen, um all diese Verfahren zu beschleunigen und so schnell wie möglich jedem Opfer einen Namen und Nachnamen zu geben und den Bitten der Angehörigen eine Antwort zu liefern.» (sda/shs)

Feedback für die Redaktion

Hat dir dieser Artikel gefallen?

Kommentare

Dein Kommentar

Mit dem Absenden dieses Formulars erkläre ich mich mit der zweckgebundenen Speicherung der angegebenen Daten einverstanden. Datenschutzerklärung und Widerrufshinweise

Kommentare lesen?

Um Kommentare lesen zu können, melde dich bitte an.