
Im FCZ-Trikot vor dem Joggeli: Ein Provokateur mit einer Botschaft
Shahed Staub
Thomas Melchior macht in den sozialen Medien auf die Risiken von Sportwetten aufmerksam. Dabei riskiert er Konfrontationen mit Fans. Mitte Dezember war Melchior auch in Basel.
Thomas Melchior hat durch Sportwetten insgesamt 800’000 Euro verloren. Anschliessend beging er Diebstahl bei seiner Freundin und verbüsste wegen Beschaffungskriminalität drei Jahre Haft. Wie er selbst sagt, hat die Sucht sein Leben zerstört.
Um andere vor Sportwetten zu warnen – im besten Fall davor abzuschrecken – verfolgt der Deutsche eine ungewöhnliche Strategie: Er sucht den Dialog durch Provokation. Mit Fanartikeln des jeweiligen Erzrivalen zeigt er sich vor Europas Fussballstadien: im Feyenoord-Trikot bei Ajax, im Köln-Trikot in Leverkusen, im Dortmund-Trikot auf Schalke – und nun machte er Mitte Dezember in Basel halt.
Melchior sucht keinen Streit
Über 50’000 Menschen folgen Thomas Melchior allein auf Instagram. Diesen Montag sehen sie auf einem Video, welches Melchior veröffentlichte, wie er vor dem FCB-Heimspiel gegen Aston Villa mit einem Trikot des FC Zürich posiert. Schnell zieht er die Blicke auf sich. Ein Mitarbeiter bittet ihn, «seine Sachen zusammenzupacken», ein Fan vor Stadionsektor B fragt neugierig: «Warum machst du das überhaupt?». Die Leute machen Fotos, Melchior fällt auf und kommt ins Gespräch. Dabei spricht er über die Risiken von Sportwetten – und erreicht damit genau sein Ziel.
Im Format SRF Impact erzählte Thomas Melchior bereits vor rund zwei Wochen, wie er in die Sportwettensucht geraten ist: Nächtelang setzte er auf Mannschaften rund um den Globus und verlor dabei längst den Bezug zum Sport. Die Folgen waren 800’000 Euro Verlust in 13 Jahren, Beschaffungskriminalität und eine Verurteilung zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.
Der FC Basel verlor am 11. Dezember gegen Aston Villa mit 1:2 – Melchior dürfte mit seiner Aktion jedoch jede Menge Aufmerksamkeit gewonnen haben.
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