Jeder Vierte bricht ab: Stress und Erschöpfung in der Lehre verbreitet
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Ausbildung
Schweiz

Jeder Vierte bricht ab: Stress und Erschöpfung in der Lehre verbreitet

04.07.2024 11:22

Baseljetzt

Eine Mehrheit der jungen Menschen in der Lehre leidet an Stress und Erschöpfung oder überlangen Arbeitszeiten. Jede und jeder Vierte bricht die Lehre ab, wie eine Umfrage der Gewerkschaft Unia zeigt.

Die Unia fordert mehr Gesundheitsschutz und bessere Kontrollen der Arbeitsbedingungen. Die Umfrage, an der über 1’100 Lernende teilnahmen, thematisierte Stress, die Zufriedenheit mit der Ausbildung, Erfahrungen mit Diskriminierung und Mobbing am Arbeitsplatz sowie Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeiten und Lohn.

Die Mehrheit der Teilnehmenden gab an, während der Arbeit unter Stress zu leiden und sich nach der Arbeit erschöpft zu fühlen. 92,4 Prozent empfinden Stress am Arbeitsplatz, 53,2 Prozent von ihnen häufig oder immer.

Die Mehrheit der Lernenden verdient vom ersten bis vierten Ausbildungsjahr weniger als 999 Franken pro Monat, jeder zwanzigste Lernende gar weniger als 500 Franken.

Über die Hälfte der Lernenden gab in der Umfrage zudem an, mehr als neun Stunden pro Tag zu arbeiten, was den gesetzlichen Rahmen sprengt. Ein Viertel der Lernenden überschreitet diese Stunden wöchentlich.

Sexuelle Belästigung und Rassismus

Diskriminierungen, einschliesslich sexueller Belästigung, Rassismus und Mobbing, beeinträchtigten das Wohlbefinden der Lernenden und machten diese anfälliger für physische und psychische Erkrankungen, warnt die Unia. Sobald junge Menschen in der Lehre von mehreren Diskriminierungsformen betroffen seien, würden sie deutlich verwundbarer, und ihre Gesundheit sei umso mehr gefährdet.

Wie die Umfrage zeigt, haben 27,9 Prozent der jungen Frauen und 7,8 Prozent der jungen Männer sexuelle Belästigung erlebt. Von Rassismus sind 35,3 Prozent der Lernenden betroffen. Davon erleben gar 12 Prozent oft Rassismus.

Berufliches Mobbing ist ebenfalls weit verbreitet. Ein Drittel der Befragten gab an, sich unwohl oder von feindlichen Verhaltensweisen betroffen zu fühlen.

Unia fordert bessere Kontrollen

54,9 Prozent der Lernenden gaben in der Umfrage an, dass ihr Betrieb noch nie vom Amt für Berufsbildung kontrolliert worden sei. So kommt die Unia zum Schluss, dass es in den Lehrbetrieben klar an Aufsicht durch die Behörden fehle. Eine bessere Regulierung und mehr Kontrollen würden die Ausbildungsbedingungen und die Ausbildungsqualität in den Betrieben verbessern, so die Gewerkschaft.

Die Unia fordert mehr Freizeit für die Lernenden, damit sie sich erholen können, besseren Schutz vor Missbrauch und Diskriminierung im Betrieb sowie bessere Löhne. (sda/mei)

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06.07.2024 09:49

Siegfried23

Das Problem dabei ist, dass das Bildungswesen sich zu wenig mit der Wirtschaftswelt auseinandersetzt. Statt die Kinder/Jugendlichen darauf vorzubereiten, was nach der Schulzeit auf sie wartet, wird ihnen Druck an allen Enden abgenommen. Dies intensiviert sich nur noch dadurch, dass die Leistingsorientierung an den Begabungen der Schwächsten angepasst ist und so die Potenziale der Kinder gehemmt, bzw. zu wenig ausgeschöpft werden. Als Resultat haben wir Junge Erwachsene, die sich mit handwerklichen Begabungen in Berufe zwängen, die Geistig orientiert sind und umgekehrt. Reine Potenzial und Ressourcenverschwendung…
Es bleibt trotzdem die Hoffnung, dass die Gesellschaft erkennt, dass sich etwas ändern muss!

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