
Trotz wachsender Todeszahlen: Kein Ende der Proteste in Sicht
Baseljetzt
Die Massenproteste im Iran halten trotz wachsender Todeszahlen und exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats an. Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 185 Städte ausgeweitet.
Mindestens 192 Menschen seien getötet worden, berichtete die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer könnte höher liegen. Die Kommunikation nach aussen ist durch Internetsperren und blockierte Telefonleitungen stark eingeschränkt.
Irans Parlamentspräsident droht mit Vernichtung der Demonstrierenden
Der iranische Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf warf der Protestbewegung vor, eine Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die «Feinde» müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte Qalibaf laut Übersetzung des iranischen Propagandakanals Press TV.
Er bezeichnete die Demonstrationen als einen von den USA inszenierten «terroristischen Krieg» gegen den Iran. Qalibaf drohte, dass jede Attacke der USA zu Vergeltungsschlägen gegen regionale US-Militärstützpunkte und auf Israel führen werde.
US-Präsident Trump warnt die Führung in Teheran
US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor den Teilnehmern der Massenproteste gegen die Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. «Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!», hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social geschrieben. Wie die Hilfe aussehen soll, ist unklar.
Die «New York Times» meldete unter Berufung auf US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für Militärschläge im Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen.
Der Iran-Experte Ali Vaez zeigte auf X ein Dilemma auf: «Wenn die USA zu wenig tun, könnten sie möglicherweise nichts bewirken. Wenn sie zu viel tun, könnten sie möglicherweise alles zerstören, mit unvorhersehbaren Folgen für alle.»
Israels Armeeführung erklärte, die Proteste seien eine interne Angelegenheit des Irans. Dennoch seien die Streitkräfte defensiv vorbereitet. «Wir werden in der Lage sein, bei Bedarf mit Macht zu reagieren», hiess es weiter.
Zahl der Todesopfer steigt – hohe Dunkelziffer befürchtet
Iranische Aktivisten haben nach eigenen Angaben bislang die Namen von 192 getöteten Menschen bei den Massenprotesten im Land dokumentiert. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA berichtete, dass bei den seit knapp zwei Wochen andauernden Massenprotesten mindestens 2.600 Menschen festgenommen worden seien.
Die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte jedoch höher liegen. Die iranischen Behörden haben den Zugang zum Internet für die Bevölkerung fast vollständig gesperrt. Menschen berichten auf X auch, dass Telefonleitungen nicht mehr funktionierten. Die Kommunikation mit der Aussenwelt ist nur über das Starlink-Satellitensystem möglich, sofern die dafür notwendigen Terminals illegal ins Land gebracht wurden.
Proteste dauern seit zwei Wochen an
Die Proteste hatten Ende Dezember begonnen, ausgelöst durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der Währung Rial. In Teheran gingen zunächst wütende Händler auf die Strasse. Danach weiteten sich die Proteste auf das gesamte Land aus. Das genaue Ausmass bleibt jedoch auch wegen der Internetsperre weiter unklar. (sda/alr)
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