«Vielleicht sind wir manchmal zu bescheiden»: Pfarrerin Franziska Kuhn über die Kirche
©Bild: Telebasel
Kleinbasel
Kultur

«Vielleicht sind wir manchmal zu bescheiden»: Pfarrerin Franziska Kuhn über die Kirche

27.12.2025 12:10 - update 27.12.2025 12:33
Valerie Zeiser

Valerie Zeiser

Zwischen Jazz-Gottesdienst, Feuerwehr und Alpiner Rettung: Franziska Kuhn ist keine gewöhnliche Pfarrerin. In Bern aufgewachsen, engagiert sie sich seit fünf Jahren in der Kirchgemeinde Kleinbasel.

Das Huus am Brunne am Klingeltalgraben ist von aussen unscheinbar. Es steckt aber viel Engagement darin. Unter der Leitung der Pfarrerin Franziska Kuhn entsteht hier ein Ort der stillen Gemeinschaft. «Menschen, die Mühe haben, über die Kirchenschwellen zu gehen, kommen teils einfacher in eine normales Haus hinein», sagt die gebürtige Bernerin. Auch dass das Haus von einer freundlichen Gemeinschaft getragen werde, im Moment von drei Frauen, die viel Zeit, Energie und gute Gedanken investieren, um den Raum zu bieten, helfe dabei.

«Ich brauche viel Ausgleich»

Ganz so ruhig wie es scheint ist der Alltag von Franziska Kuhn aber nicht. Neben dem Pfarramt in der Kirchgemeinde Kleinbasel ist sie auch noch in der Feuerwehr und der Alpinen Rettung tätig. In der Weihnachtszeit standen allerdings Proben für den Weihnachtsgottesdienst in der Kirche Kleinhüningen auf dem Programm.

«Ich bin einfach ein neugieriger und vielseitiger Mensch», sagt Franziska Kuhn. «Das ist vielleicht manchmal nicht so einfach, es gibt Theologinnen und Pfarrpersonen, die sich in einem Gebiet vertiefen.» Sie hingegen brauche viel Ausgleich, was sie dann wieder inspiriert.

«Vielleicht sind wir manchmal zu bescheiden»: Pfarrerin Franziska Kuhn über die Kirche
«Viele Menschen halten am Vorurteil einer traditionellen Kirche fest», sagt Franziska Kuhn. Bild: Telebasel

Nebst klassischen Gottesdiensten setzt sich die Pfarrerin auch für Innovation ein. Sehr beliebt sei etwa der Jazz-Gottesdienst in der Dorfkirche Kleinhüningen. Trotz alternativen Methoden spüre Kuhn aber, dass viele Menschen noch immer am Vorurteil einer traditionellen Kirche festhalten würden. «Wenn ich Beerdigungen mache, was ich mit viel Herzblut mache, dann sagen die Leute manchmal: Wenn die Kirche so wäre, würden wir in die Kirche kommen. Und ich denke, die Kirche ist so, ich bin ja immer hier auf meine Art.»

«Es gibt modernere Formen der Kirche»

Sie denke, es sei einfacher, das alte Kirchenbild zu behalten, zu denken sie sei eine Ausnahme, anstatt zu glauben, es gebe wirklich modernere Formen der Kirche. «Und die gibt es und die sind super.» Vielleicht habe die Kirche ein wenig verlernt, Gutes zu tun und darüber zu sprechen. Vielleicht sei man zu bescheiden und könnte etwas mehr erzählen, was die Kirche an gutem, kräftigen und lebensfördernden bieten könne.

Lebensfördernd ist auch Franiska Kuhns Gottesdienst im Alterszentrum. Die kirchliche Tradition liegt den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr am Herzen. «Zum Teil merkt man das auch am Pflegepersonal. Wenn sie hier singen konnten, haben sie nachher einen grösseren Frieden, eine grössere Ruhe.» Der Gottesdienst und das bewahren von Traditionen gebe den Bewohnerinnen und Bewohnern besonders in der Weihnachtszeit Kraft. «Ich mache die Gottesdienste immer sehr interaktiv und probiere viel von der Biografie zu erfragen», sagt Franziska Kuhn. Sie versuche auch, Sachen die ihr entgegenkommen, aufzunehmen. «Etwa Schmerzen oder schwierige Sachen.» Dann würden sich die Menschen gehört fühlen.

So geht das Jahr für die Pfarrerin langsam zu Ende, sodass sie auch im nächsten Jahr den Menschen entgegenkommen kann.

Mitarbeit: Andri Gschwind / Anina Amrein

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