Basel im internationalen Kontext: Eine Doku begleitet die Rückführung von Gebeinen
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Basel im internationalen Kontext: Eine Doku begleitet die Rückführung von Gebeinen

HEUTE • 15:38 Uhr

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Im Sommer 2024 wurden 42 menschliche Gebeine aus Basler Museen nach Sri Lanka zurückgeführt. Der Dokumentarfilm «Elephants and Squirrels» begleitet eine Künstlerin aus Sri Lanka bei der Rückführung.

Im Sommer 2024 unterzeichnete der Basler Regierungspräsident Conradin Cramer im Basler Rathaus in Anwesenheit einer Delegation der indigenen Gruppe der Veddah oder Adivasi aus dem Inselstaat Sri Lanka ein Restitutionsabkommen. Dieses betraf 42 in Kisten verpackte menschliche Gebeine sowie knapp 50 Objekte, die im 19. Jahrhundert aus dem damaligen Ceylon nach Basel geschmuggelt worden waren.

Diese Szene bildet den Abschluss und Höhepunkt des Dokumentarfilms «Elephants & Squirrels» des Basler Filmemachers und Fotografen Gregor Brändli. Zu sehen ist, wie sich das Oberhaupt der Ureinwohner-Gemeinschaft bedankt und sichtlich bewegt davon spricht, dass die Gebeine, die noch ihre Seelen in sich tragen, endlich aus ihren Gefängnissen befreit würden.

Er wolle das Wissen mit der Welt teilen, sagt er noch. Genau dies haben der Basler Filmemacher und die aus Sri Lanka stammende Künstlerin Deneth Piumakshi Veda Arachchige vor. Die Künstlerin liess sich vom Filmemacher auf ihrer Recherchemission in die Basler Museumsarchive begleiten. Dabei geht es auch um die Auseinandersetzung über damit verbundene koloniale Verflechtungen der Schweiz.

Auf den Spuren der Sarasin-Vettern

So verfolgt der Film die Spuren der ebenso reisefreudigen wie sammelwütigen Naturforscher Fritz und Paul Sarasin aus dem Basler Grossbürgertum. Im 19. Jahrhundert erlegten sie in der damaligen britischen Kolonie Ceylon im Namen der Wissenschaft nicht nur Elefanten und Eichhörnchen – deshalb der Filmtitel «Elephants & Squirrels». Sie exhumierten heimlich auch Gebeine der Veddah.

Diese schmuggelten sie ausser Landes und verfrachteten sie nach Basel, wo sie zusammen mit weit über 1000 weiteren menschlichen Überresten in den Archiven des Naturhistorischen Museums landeten. Die beiden Vettern waren vom darwinistischen Weltbild geprägt und glaubten daran, auf Urmenschen nach der evolutionären Abspaltung der Spezies von den Affen gestossen zu sein.

Spannungsvolle Momente hat der Film vor allem in den Sequenzen, in denen die Künstlerin und die Delegation aus Sri Lanka in den Museumsarchiven auf die Objekte aus ihrem Heimatland treffen. Etwa auf eine prächtige Maske, die sich die Künstlerin emotional berührt überzieht. Da werden intime Momente festgehalten.

«Gebeine gehören unter die Erde»

Staunend tritt sie in einer weiteren Sequenz einer lebensgrossen Puppe einer Veddah-Urahnin gegenüber, die einen Schädel in den Händen hält. Es ist offenbar einer der Schädel, den die Sarasins exhumiert hatten. «Die Gebeine gehören unter die Erde und nicht auf den Tisch der Wissenschaftler», bemerkt sie dazu.

Basels Haltung zur Geschichte kommt nur am Rande vor

Die Haltung Basels zur Geschichte kommt im Film nur am Rande vor. An einer Tagung der staatlichen Museen Basels zur Provenienzforschung im April 2025 hatten Basil Thüring, Co-Direktor des Naturhistorischen Museums, und der Anthropologie-Kurator Gerhard Hotz die Restitution der Gebeine als Musterfall bezeichnet. Die Veddah-Vertreter seien gemeinsam mit dem zuständigen Ministerium aus Sri Lanka an das Museum gelangt und hätten damit inhaltlich und rechtlich vorbildlich gehandelt.

Und die damalige Direktorin des Museums der Kulturen, Anna Schmid, bezeichnete die Provenienzforschung, die Aufarbeitung der von kolonialen Verstrickungen geprägten Sammlungsgeschichte und insbesondere den Dialog mit Vertretern der Ursprungsgegenden und -ländern als Bereicherung der Museumsarbeit. Diese stelle bei der Vermittlungsarbeit auch für die Museumsbesucherinnen und -besucher einen Gewinn dar.

Der von der soap factory GmbH in Basel produzierte Film wird am Samstag an den Solothurner Filmtagen erstmals in der Schweiz zu sehen sein. Der Deutschschweizer Kinostart ist auf den 12. März 2026 angesetzt. (sda/jsa)

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