Buche, Fichte und Eiche: Klima und fehlende Nährstoffe hinterlassen Spuren
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Buche, Fichte und Eiche: Klima und fehlende Nährstoffe hinterlassen Spuren

08.02.2024 18:21 - update 09.02.2024 08:03

Leonie Fricker

An den Zweigen ablesen, wie es dem Wald geht: Im vergangenen Sommer wurden dazu Äste aus Baumkronen entnommen und anschliessend im Labor untersucht. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Es ist ein wenig wie Spurenlesen: die Expert:innen am Institut für angewandte Pflanzenbiologie (IAP) in Witterswil können anhand von Ästen feststellen, wie es den Bäumen in den vergangenen vier Jahren ergangen ist.

Bevor die Ast-Proben jedoch zu ihnen ins Institut kommen, werden sie aufwendig geerntet. Mithilfe eines Helikopters werden die Zweige aus den Baumkronen von Buchen, Eichen und Fichten abgeschnitten und danach zum IAP nach Witterswil gebracht.

Buchenblätter werden immer kleiner

Dort wurden die Proben nun während einem halben Jahr untersucht und sämtliche Daten gesammelt. Die Zweige und Blätter zeigen, wie schnell die Bäume gewachsen sind, wieviel Früchte sie trugen und welche Nährstoffe ihnen fehlen.

Anhand der Buchen-Proben haben die Mitarbeitenden vom IAP feststellen können, dass deren Blätter kleiner werden. So seien die Blätter aus den Proben vom letzten Sommer so klein wie seit 36 Jahren nicht mehr.

Auch das sogenannte «Fotobleaching» nehme seit 2007 stark zu. Das äussert sich in gelblich verfärbten Blattspitzen und entsteht, wenn zu wenig Phosphor vorhanden ist oder zu hohe Temperaturen herrschen. Bei den Eichen gibt es Fotobleaching in grösserem Ausmass erst ab 2023.

Buche, Fichte und Eiche: Klima und fehlende Nährstoffe hinterlassen Spuren
«Fotobleaching» bei einem Buchenblatt und einem Eichenblatt. Bild: zVg

«Das zerrt an den Kräften des Baums»

Generell leide die Buche unter dem Klima. Ablesen könne man dies daran, dass sie immer mehr Früchte trägt, erklärt Sven Hopf vom IAP. Die Energie, welche sie für das Ausbilden der Früchte aufwendet, stehe dann andernorts, beispielsweise für das Wachstum des Stamms, nicht zur Verfügung. «Das zerrt an den Kräften des Baums», so Hopf.

Auch das Wachstum der Fichten habe sich in den vergangenen Jahren verändert: deren Triebe werden immer kürzer. Ein Trend, der sich seit der ersten Probenentnahme des IAP im Jahr 1984 kontinuierlich fortsetzt. Auch tragen die Bäume immer weniger Nadeln und das Gewicht der Nadeln nehme ab.

Mangelnde Nährstoffversorgung

Das Fazit von Sven Hopf fällt nicht sehr erfreulich aus. Die Abnahme der Nährstoffversorgung bereite ihm Sorgen. «Gewisse Nährstoffe fallen in den Mangelbereich und das ist schlecht für die Bäume und deren Vitalität», so Hopf.

Deshalb lege man am Institut viel Wert auf die Beobachtung der Nährstoffversorgung. «Wie gut die Bäume ernährt sind, ist letztlich die Basis für das Ökosystem Wald.»

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