Das Bargeld verschwindet aus den Basler Gastrobetrieben
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Cashless-Trend
Basel-Stadt

Das Bargeld verschwindet aus den Basler Gastrobetrieben

03.06.2024 14:29 - update 04.06.2024 15:09
Tim Meyer

Tim Meyer

Viele Gastrobetriebe nehmen kein Bargeld mehr an und funktionieren nur noch mit Kartenzahlung. Betreiber sind zufrieden – der Wirteverband hat Zweifel.

Die Betreiber des Viertel-Dachs beim Dreispitz kündigten im März an, dass sie in Zukunft kein Bargeld mehr akzeptieren werden. Seit anfangs April können Gäste nur noch mit Karte, Twint, Apple Pay oder Google Pay zahlen, wie die Basler Zeitung berichtete.

Für die Betreiber sei dieser Schritt zum bargeldlosen Betrieb logisch. Eine Analyse habe gezeigt, dass nur ein kleiner Teil im einstelligen Prozentbereich noch bar bezahlen würde, so Betriebsleiter Valentin Aschwanden gegenüber der BaZ.

Bargeld würde für das Viertel einen grossen Mehraufwand bedeuten: tägliche Abrechnungen, Einzahlungen und Geldwechseln. Diese Vorgänge seien ausserdem fehleranfällig. Durch den Wegfall des Bargeldes könne der Betrieb zwei Arbeitstage sparen, so Aschwanden.

Das dieser Wechsel möglichst gut über die Bühne geht, hat das Viertel mehrere Massnahmen ergriffen. Gäste können gegen eine Gebühr von drei Franken eine Prepaid-Karte beziehen. Wer mit dem Handy bezahlen möchte, aber keinen Akku hat, kann Powerbanks vor Ort nutzen.

Erst der Anfang vom Bargeldlosen

Das Viertel ist nur eines von vielen Beispielen der Basler Gastronomie, die auf einen bargeldlosen Betrieb umgestellt haben: das neue B1-Rooftop-Bistro beim Helvetia-Campus, das Nordstern oder The Bar am Voltaplatz. Alle verlassen sich auf dieses Konzept.

Vorreiter war das Soho in der Steinenvorstadt, welche bereits vor der Pandemie 2019 auf bargeldlos umstellte. Kartenzahlung in Clubs, Bars und Restaurants ist seitdem im Aufwind in der Region und der ganzen Schweiz. Der Anteil der Locations, die nur Karten akzeptieren, sei aber noch klein.

Einsparungen seien eine Illusion

Bezüglich bargeldlosen Betrieben hat der Basler Wirteverbandspräsident Maurus Ebneter Vorbehalte. Anfangs Jahr titelte er auf der Verbandsseite, dass Bargeldverzicht ein Irrweg sei. Es störe ihn als Konsumenten und Bürger, wenn man nicht mehr bar zahlen könne. Man würde laut Ebneter besser fahren, wenn man die Wahlfreiheit lassen würde. Ziel müsse sein, möglichst viele Gäste glücklich zu machen. Er gehe davon aus, dass Betriebe mit der Umstellung auf reine Kartenzahlung auch Kunden verlieren würden.

Die Einsparungen halte Ebneter für eine Illusion. Bei Kartenzahlungen kämen beträchtliche Administrativkosten dazu. Es bestehe die Gefahr, dass die Trinkgelder der Mitarbeitenden sozialversicherungspflichtig werden und so zu Mehrkosten für die Arbeitgeber führen, so Ebneter.

Gut oder schlecht?

Bei den Lokalen überwiegen die Vorteile offenbar: weniger Aufwand, Hygiene und Schutz vor Diebstahl. Mitarbeitende würden auch nicht oder nur minim weniger Trinkgeld erhalten, sagen die betroffenen Gastrobetriebe.

Für den Wirteverband auf der anderen Seite gebe das bargeldlose Zahlen zusätzliche Gebühren, Administrativkosten und weniger Entscheidungsfreiheit.

Einig sind sich Ebneter und die Unternehmen in dem Punkt, dass sich der bargeldlose Trend weiter verstärken wird. Ebneter glaubt aber, dass das Bargeld in der Schweiz einen höheren Stellenwert behalten würde als andernorts.

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Kommentare

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04.06.2024 11:14

sheerkhan

Mol luege ob das wirklich funktioniert, komplett ohni Bargeld chani mir nid vorstelle

3 0
04.06.2024 06:18

cola

Finde es schrecklich alles mit karte zu bezahlen und kinder und jugendliche lernen so keinen umgang mit geld.nach dem motto:karte hinhalten und alles ist bezahlt.

9 0

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