Die Iberer – Eine Hochkultur voll mit Unbekanntem
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Sonderausstellung
Basel-Stadt

Die Iberer – Eine Hochkultur voll mit Unbekanntem

17.11.2023 17:15 - update 17.11.2023 17:22
Florian Scheller

Florian Scheller

Ganz im Gegensatz zu den antiken Griechen, den Römern oder Ägyptern ist über die Iberer wenig bekannt. Jetzt widmet das Antikenmuseum Basel diesem Mysterium eine Sonderausstellung. Gezeigt werden über 260 Stücke.

Die Zeit der Iberer erstreckte sich vom 6. Jahrhundert vor Christus bis zur Eroberung der gesamten iberischen Halbinsel durch Rom rund 500 Jahre später. Die Iberer lebten an den Küsten Andalusiens und Kataloniens. Vom Atlantik bis zum Mittelmeer.

Die Gesellschaft der Iberer war agrarisch geprägt und wies einen hohen sozialen Entwicklungsstand auf. Spektakuläre Funde und Alltagsgegenstände vermitteln das Bild einer Gesellschaft mit einer gut vernetzten Oberschicht. Die iberische Kultur entstand aus der Verbindung lokaler Traditionen mit Einflüssen aus dem Orient und dem Mittelmeerraum. «Kulturen wie die iberische lebten vom Austausch», erklärt Laurent Gorgerat, Kurator der Ausstellung. «Sie hat viel Eigenes hervorgebracht, sich aber auch von äusseren Einflüssen inspirieren lassen. Vor allem von Venedig, später auch ein wenig von den Griechen».

Die Iberer zeichneten sich durch hoch entwickelte Produktionstechniken, insbesondere in der Gold- und Silberschmiedekunst, eine eigene Sprache und Schrift, einen komplexen Götterkult sowie aufwendige Rituale im privaten und öffentlichen Bereich aus. Diese verschiedenen Aspekte sollen auch in der Ausstellung zur Geltung kommen. «Wir haben wirklich versucht, die verschiedenen Kunstgattungen zu zeigen, Vasenmalerei, Schmuck, Metallobjekte wie Waffen und auch Skulpturen. Die Besucher sollen ein möglichst rundes Bild dieser Kultur bekommen.»

Wenig bekannt

Nach dem Untergang der Iberer geriet diese eisenzeitliche Hochkultur lange Zeit in Vergessenheit. Erst Ende des 19. Jahrhunderts rückten die Iberer durch archäologische Funde in den Fokus von Forschung und Wissenschaft. Doch bis heute bleibt vieles rätselhaft. Das liegt auch daran, dass die iberische Sprache bis heute nicht übersetzt werden konnte. «Die iberischen Inschriften können zwar transkribiert werden, da die Zuordnung der Zeichen bekannt ist. Eine Übersetzung ist aber bis heute nicht möglich», so Laurent Gorgerat.

Auch die Skulpturen aus dem iberischen Raum geben der Forschung viele Rätsel auf. Eine der bekanntesten ist die „Dama de Elche“, die in der Ausstellung als Nachbildung zu sehen ist. Die geheimnisvolle Figur der Dama gibt Anlass zu Spekulationen: Ist sie eine Sterbliche, eine mythologische Gestalt oder gar eine Göttin? Die Bedeutung ihres auffälligen Kopfschmucks bleibt ebenfalls unklar.

Erste Ausstellung in der Schweiz

Die Sonderausstellung «IBERER» ist die erste ihrer Art in der Schweiz. Insgesamt ist es über 20 Jahre her, dass die iberische Geschichte in Europa im Zentrum einer Ausstellung stand. Dabei werden auch neue archäologische Erkenntnisse präsentiert. Die Ausstellung basiert auf einer der bedeutendsten Sammlungen zur iberischen Kultur im Museu d’Arqueologia de Catalunya (MAC), dem Archäologischen Museum Kataloniens. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Antikenmuseum Basel und der Sammlung Ludwig. Die Sonderausstellung ist bis zum 26. Mai 2024 für die Öffentlichkeit zugänglich.

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