«Die Opfer leiden»: Ein kantonales Verbot von Konversionstherapien in Basel stagniert
©Bilder: Keystone, Baseljetzt
Lea Blattner
Politik

«Die Opfer leiden»: Ein kantonales Verbot von Konversionstherapien in Basel stagniert

21.01.2026 06:00 - update 21.01.2026 11:17
Shahed Staub

Shahed Staub

Die EVP-Politikerin Lea Blattner ist lesbisch und sollte durch Konversionstherapien «umgepolt» werden. Kantonale Verbote solcher Massnahmen kommen in den beiden Basel kaum voran.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lea Blattner berichtet von schädlichen Konversionstherapien und massiver Ablehnung nach ihrem Coming-out, was zu ihrem Rücktritt aus der Politik führte
  • Die Schweiz hat kein nationales Verbot; der Nationalrat lehnte entsprechende Initiativen ab, einzelne Kantone haben jedoch eigene Verbote eingeführt
  • In Basel-Stadt und Baselland stocken Vorstösse, da die Regierungen Bundesentscheide abwarten, was bei Betroffenen und Politiker auf Kritik stösst

Homosexualität ist in der Evangelischen Volkspartei noch immer ein Tabuthema. Das hat die Allschwiler EVP-Politikerin Lea Blattner nach ihrem Coming-Out im vergangenen April am eigenen Leib erfahren.

Nebst Zuneigung, Nächstenliebe und Unterstützung – wie Lea Blattner gegenüber dieser Redaktion bereits sagte – erhielt sie aber vor allem eines: Hass. Hasskommentare in den sozialen Medien, Hassnachrichten im Briefkasten vor der eigenen Haustüre. Die Konsequenz daraus zog Blattner mit ihrem Rücktritt aus ihren politischen Ämtern.

«Die Dämonen sollten mir ausgetrieben werden»

In der christlichen Kirche wird Blattners Homosexualität als Sünde betrachtet. Eine Sünde, die geheilt werden müsse, so der Glaube in der freikirchlichen Gemeinschaft. Das vielfältige Ausleben sexueller und geschlechtlicher Lebensweisen, also nicht-heterosexuelle Orientierungen, werden oft nicht anerkannt und müssten «therapiert» werden. Diese Umpolung soll mit einer sogenannten Konversionstherapie stattfinden.

«Die Opfer leiden»: Ein kantonales Verbot von Konversionstherapien in Basel stagniert
Lea Blattner sollte mit einer Konversionstherapie «umgepolt» werden. Bild: Keystone

Eine solche gezielte Intervention durch einen Seelsorger erfuhr auch Blattner. «Die Dämonen sollten mir ausgetrieben werden», erzählt Blattner über ihre früheren Erfahrungen mit einer Freikirche gegenüber Tamedia. Bis zu fünf Männer gleichzeitig hätten ihr die Hände aufgelegt, um sie zu heilen – ganz im Glauben der Freikirche, dass es sich bei Homosexualität um ein Symptom einer Krankheit handle. «Die Therapie hat mich aber nur ausgelaugt und erschöpft», schildert die EVP-Politikerin.

Auf Anfrage von Baseljetzt will man sich im Umfeld der EVP Baselland nicht zur Thematik der Konversionstherapie äussern. Ein erhaltenes Zitat wurde wieder zurückgezogen.

Der Schweizer Flickenteppich

Ein nationales Verbot von Konversionstherapien hat die Schweiz auf Bundesebene keines. Konversionstherapien sollten zwar verboten werden – allerdings nicht sofort, so der aktuelle Stand. Im März 2024 sprach sich der Nationalrat mit 99 zu 77 Stimmen gegen zwei Standesinitiativen aus Luzern und Basel-Stadt aus.

Anstelle einer nationalen Lösung rollt die Schweiz also den kantonalen Flickenteppich aus, wenn es um Verbote von Konversionstherapien geht. Vier Kantone führten in den vergangenen Jahren Gesetze gegen Konversionsmassnahmen ein, darunter Neuenburg, Waadt, Wallis und Genf. Ende November 2025 zog auch die Zürcher Regierung nach – wer Konversionsmassnahmen durchführt oder dafür wirbt, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

«Die Opfer leiden»: Ein kantonales Verbot von Konversionstherapien in Basel stagniert
Beim Verbot um Konversionstherapien gibt es noch keine nationale Lösung. Bild: Keystone

Bemühungen um ein Verbot von Konversionstherapien blieben auch im Kanton Basel-Stadt nicht aus. Grossrätin Michela Seggiani (SP) und Grossrat Johannes Sieber (GLP) reichten 2021 eine Motion ein, die ein Verbot von Konversionstherapien in Basel-Stadt verlangt. Die Motion wurde trotz einiger Einsprüche aus der SVP sowie der Mitte-/EVP-Fraktion vom Grossen Rat an die Regierung überwiesen.

Inhaltlich unterstützt die Regierung das Anliegen der Motion, sieht jedoch Probleme bei einer kantonalen Alleinlösung. Sie möchte zudem die Ergebnisse der laufenden Arbeiten auf Bundesebene abwarten, bevor sie kantonal handelt. Am 2. Dezember 2025 bat die Exekutive um eine Fristverlängerung der Motion um zwei weitere Jahre.

Basel-Stadt und Baselland wollen Druck machen

Wie lange kann man noch warten? Wie lange dürfen Konversionstherapien durch Coaches, Sexualberater:innen und Geistliche noch ausgeübt werden? Diese Frage stellt sich die Co-Motionärin Michela Seggiani nach dem Fall Lea Blattner mehr denn je. «Den Opfern ist es schlussendlich egal, ob das Verbot auf nationaler oder kantonaler Ebene vollstreckt wird. Es geht um die Sache», so die SP-Grossrätin.

Wieso ein Verbot in Zürich möglich ist und in Basel weiter abgewartet wird, ist für Seggiani «ein grosses Fragezeichen». Sollte es auf kantonaler und nationaler Ebene stagnieren, werde Seggiani wohl wieder handeln müssen. Denn: «Die Opfer leiden. Irgendjemand muss jetzt einfach den ersten Schritt machen».

«Die Opfer leiden»: Ein kantonales Verbot von Konversionstherapien in Basel stagniert
Michela Seggiani hofft auf ein schnelles Handeln der Basler Regierung. Bild: Baseljetzt

Ein Vorstoss von SP-Landrätin Miriam Locher, die 2021 eine ähnliche Motion eingereicht hatte, wurde mittlerweile sistiert. Man wolle auch hier zunächst die Entscheide aus Bundesbern abwarten, hiess es von der Baselbieter Regierung. «Das macht mich hässig. Es gäbe so viele Wege, wie man diese Koversionstherapien verbieten könnte – zumindest im Kanton.» Sollte die Regierung den Vorstoss nicht selbst wieder aus der Schublade holen, werde Locher einen weiteren Vorstoss einreichen.

Mehrere europäische Länder haben Konversionsmassnahmen inzwischen verboten, darunter Deutschland, Frankreich, Malta und Griechenland. In weiteren Staaten – etwa Belgien, Portugal und Spanien – werden entsprechende Gesetzesvorhaben derzeit vorbereitet oder beraten.

In mehreren Ländern zeigen Studien, dass ein signifikanter Anteil von LGBTQ-Personen irgendwann in ihrem Leben mit Konversionstherapien konfrontiert war. Konkret knapp jede zehnte Person.

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21.01.2026 05:50

spalen

absolut unverständlich!
dieser menschenverachtende gugus gehört sofort verboten – und zwar in der ganzen schweiz

4 0

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