Eine verpasste Chance, aber auch viel Hoffnung für die Zukunft
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Fazit
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Eine verpasste Chance, aber auch viel Hoffnung für die Zukunft

08.07.2024 17:59 - update 09.07.2024 08:58
Yannick Fuhrer

Yannick Fuhrer

Der Halbfinal-Traum der Schweizer Nati war im Elfmeterkrimi gegen England ausgeträumt. Doch was die Nati gezeigt hat, macht Freude und zugleich Hoffnung auf mehr.

Vor der EM in Deutschland blickten viele Nati-Fans kritisch auf die Gruppenphase. Der Grund: Die Ergebnisse zum Schluss der EM-Quali waren alles andere als berauschend und am Schluss verspielte die Nati sogar noch den Qualisieg gegen Rumänien. In der Gruppe mit Gastgeber Deutschland, Ungarn und Schottland könnte vom Gruppensieg bis zum direkten Ausscheiden alles passieren.

Zudem hatte die Nati ein Stürmerproblem. Breel Embolo verpasste fast die ganze Saison aufgrund einer Verletzung, Zeki Amdouni war mit Burnley abgestiegen und mit Kwadwo Duah nominierte Yakin einen Stürmer, der bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nie aufgeboten worden war. Doch bereits nach dem ersten Spiel kam die Erkenntnis: Alle Sorgen waren umsonst.

Die Gruppenphase

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Kwadwo Duah schoss das erste Tor für die Schweiz an der EM. Bild: Keystone

Im ersten Gruppenspiel gegen Ungarn führte die Schweiz zur Pause mit 2:0. Diese Halbzeit war eine der besten, die eine Schweizer Nati je gezeigt hat. Am Schluss war es ausgerechnet der Rückkehrer Breel Embolo, der mit dem 3:1 den Deckel auf diese Partie machte. Start nach Mass.

Gegen Schottland kam dann das erwartet schwierige Spiel. Durch ein Eigentor von Fabian Schär geriet die Nati in Rückstand, aber kurz darauf kam das, was an einem Turnier in der Vergangenheit immer kam, der grosse Moment von Xherdan Shaqiri. Per Traumtor sicherte er der Nati einen wichtigen Punkt.

Im letzten Gruppenspiel ging es gegen Gastgeber Deutschland um den Gruppensieg. Dan Ndoye brachte die Nati in Führung und diese Führung gab die Nati erst in der Nachspielzeit aus der Hand. So reichte es der Schweiz mit fünf Punkten souverän für Rang 2.

Nati lässt Italien keine Chance

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Die Schweiz schlägt Italien mit 2:0. Bild: Keystone

Im Achtelfinal kam es zum Duell mit Titelverteidiger Italien. Im Berliner Olympiastadion nahm die Schweiz von Beginn weg das Zepter in die Hand. Die verunsicherten Italiener hatten in den gesamten 90 Minuten praktisch keine einzige Chance gegen die Schweiz. Durch die Tore von Remo Freuler und Ruben Vargas sicherte sich die Nati den Viertelfinaleinzug souverän.

Ausscheiden in extremis

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Die Nati scheitert gegen England im Elfmeterschiessen. Bild: Keystone

Nach Italien wartete Mitfavorit England auf die Nati. Auch sie spielten bisher ein unspektakuläres Turnier und so rechnete man sich auch grosse Chancen aus. Das Spiel war von Beginn weg auf Augenhöhe, wirkliche Torchancen hatten beide Teams lange Zeit nicht. Erst in der 75. Minute kam die Schweiz zum ersten Mal gefährlich vor das Tor und Breel Embolo drückte den Ball über die Linie. Extase pur im Stadion und in der ganzen Schweiz. Die Nati war tatsächlich nur noch eine Viertelstunde vom Halbfinal entfernt. Doch nur fünf Minuten später konnten die Engländer mit der ersten gefährlichen Aktion ihrerseits ausgleichen.

Auch in der Verlängerung waren die beiden Teams auf Augenhöhe und so musste es das Elfmeterschiessen richten. Dort wurde ausgerechnet Manchester-City-Verteidiger Manuel Akanji zur tragischen Figur. Er war der einzige Schweizer, der an Jordan Pickford scheiterte. So heisst es auch in diesem Jahr wieder Endstation Viertelfinal.

Doch auch wenn das Ausscheiden schmerzt, weil man merkte, dass an diesem Turnier mehr drin gewesen wäre, darf die Nati stolz sein. Es war vermutlich das beste Turnier, das die Schweiz je gespielt hat. Und das hat viele Gründe:

Murat Yakin

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Murat Yakin wird in der Schweiz wieder gefeiert. Bild: Keystone

Viele hätten ihn vor dem Turnier noch gerne ausgewechselt. Der Verband hielt aber an Murat Yakin fest und holte mit Giorgio Contini einen Freund Yakins mit ins Team. Während Contini meist das Training leitete, schaute Yakin mit Adleraugen auf seine Schützlinge. Zusammen feilten die beiden dann am besten Schlachtplan für die jeweiligen Spiele.

Bereits im ersten Spiel überraschte Yakin mit Kwadwo Duah und Michel Aebischer in der Startformation. Beide Spieler trafen, genauso wie Joker Breel Embolo. Auch in den darauffolgenden Spielen hatte Yakin immer wieder ein Ass im Ärmel und es ging immer auf.

Obwohl die Nati zwar ausgeschieden ist, hat sie keines ihrer fünf Spiele in der regulären Spielzeit verloren. Dies auch dank Taktikfuchs Murat Yakin. Nach dem Turnier ist für die meisten Fans klar: Murat Yakin muss bleiben.

Zusammenhalt

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Bild: Keystone

In der EM-Quali sahen oft die besten Spieler nicht immer gut aus und man hatte immer wieder das Gefühl, dass die Nati keine Einheit ist. Ganz anders aber am Turnier in Deutschland. Bereits im ersten Spiel gegen Ungarn sah man das mehrmals. Bei jedem erzielten Tor rannte der Torschütze in Richtung Ersatzbank, wo man dann gemeinsam mit allen Spielern jubelte. Bei gelungenen Aktionen applaudierten die Mitspieler jeweils und auch wenn einmal etwas nicht nach Wunsch lief, gab es aufmunternde Worte.

Erfahrung

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Granit Xhaka führte die Nati als Captain bis in den Viertelfinal.Bild: Keystone

Mit Yann Sommer, Granit Xhaka, Fabian Schär, Remo Freuler, Ricardo Rodriguez und Silvan Widmer hat die Nati gleich sechs Stammspieler, die über 30 Jahre alt sind und damit viel Erfahrung im Team. Wie wichtig dies ist, sah man vor allem in den Momenten, als die Spiele auf der Kippe standen. Sie strahlten Ruhe und Sicherheit aus. So verfielen auch die jungen Spieler nie wirklich in Hektik oder Nervosität.

Besonders hervorzuheben ist Captain Granit Xhaka. Zweimal wurde er zum «Man of the Match» gekürt und gegen England spielte er trotz eines Muskelfaserrisses durch, und das abgeklärt wie immer. An der WM in zwei Jahren werden vermutlich die meisten Spieler noch dabei sein.

Die jungen Wilden

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Dan Ndoye hat an der EM so richtig auf sich aufmerksam gemacht. Bild: Keystone

Nebst den wichtigen erfahrenen Spielern hat die Nati starke junge Spieler im Team. Fabian Rieder und Dan Ndoye sind sicherlich die beiden Gewinner dieser EM. Rieders Wechsel zum VfB Stuttgart ist bereits fix und Dan Ndoye hat auch bereits einige attraktive Angebote auf dem Tisch. Künftig werden sicherlich auch Leonidas Stergiou und Ardon Jashari in der Nati immer wichtiger werden und weitere werden dazustossen.

Keine Nebenschauplätze

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Der Fokus der Nati war komplett auf das Turnier gerichtet. Bild: Keystone

An den letzten beiden Weltmeisterschaften sorgten die Spiele gegen Serbien neben dem Platz für Unruhe und an der vergangenen EM sorgten die blondgefärbten Haare von einigen Spielern für Diskussionen. An diesem Turnier war alles anders. Von Beginn weg war neben dem Platz Ruhe, falls mal etwas passiert wäre, dann hat die Nati das intern geregelt. Auch das zeigt, wie eingeschworen diese Truppe mittlerweile ist.

Wie geht es nun weiter?

Weiter geht es für die Nati im September in der Nations League. Dort trifft die Schweiz zuerst auswärts auf Dänemark und dann zuhause auf Spanien. Der dritte Gruppengegner heisst Serbien.

Bis dahin wird auch Klarheit über den Nati-Trainerposten herrschen. Wenn Murat Yakin weiterhin Trainer dieser Nati bleibt, die meisten erfahrenen Spieler ebenfalls bleiben und die jüngeren den nächsten Schritt machen, dann wird diese Mannschaft noch stärker werden. Denn nach diesem Turnier hat man irgendwie das Gefühl, dass diese Truppe noch nicht am Höhepunkt ihres Schaffens angekommen ist.

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09.07.2024 07:08

Sonnenliebe

Hoffentlich bleibt Muri weiterhin Nati Trainer

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