
Gastronomen: «Der Brandschutz durch die Politik muss im sinnvollen Ausmass sein»
Shahed Staub
Der Basler Regierungsrat will den Brandschutz für die Fasnacht verschärfen. Noch ist vieles unklar – nur eines steht fest: Dass die Politik eingreift, stösst bei Gastronomen grundsätzlich auf Zustimmung. Es gibt aber auch Bedenken.
Sieben Tage nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana kündigte die Basler Regierung am Mittwoch an, auch für Basel Konsequenzen zu ziehen. Ein Massnahmenpaket, das zusammen mit der Gebäudeversicherung ausgearbeitet wird, soll für die Sicherheit vor Feuer während der Fasnacht in den Basler Gastrobetrieben und Cliquenkellern sorgen. In zwei Wochen will der Regierungsrat die Massnahmen präsentieren.
Es geht um die Balance
Die Idee, den Brandschutz einheitlich und zusätzlich über die Politik zu regeln, stösst bei einigen Gastronomen auf Zustimmung. Zurzeit werden Betriebe mit mehr als 300 Personen alle drei bis sechs Jahre kontrolliert – bei kleineren gibt es keine Pflicht zu regelmässigen Kontrollen. Das Restaurant Schnabel sagt auf Anfrage: «Dass genauer hingeschaut werden soll, finden wir gut. Es ist richtig, dass die zuständigen Ämter diese Aufgabe übernehmen.»
Viele Gastronomen und Fasnächtler wollen gegenüber dieser Redaktion jedoch keine Auskunft zum bevorstehenden Massnahmenpaket der Regierung geben. Noch sind die Massnahmen nicht klar. Das Thema ist heikel, das Wort «Überregulierung» fällt. Wirtin Anna Götenstedt vom Restaurant Zur Harmonie auf der Lyss begrüsst zwar, dass die Basler Exekutive reagiert, räumt aber ein:
«Es wird immer überreguliert, und es sind immer die Gleichen, die es trifft. Leider gibt es keine klare Linie.» Statt einzelne Betriebe herauszupicken, müsse breitflächiger kontrolliert werden. «Es muss in einem massvollen und sinnvollen Ausmass sein.»
Brandschutz-Experte: «Ich werde regelrecht überrannt»
Crans-Montana hat die Schweiz erschüttert und für die Gefahr von Feuer in Gebäuden sensibilisiert. Zu sehen, wie schnell ein Feuer das Leben von Dutzenden Menschen innert Minuten beenden kann, hat ein regelrechtes Umdenken in Sachen Brandschutz ausgelöst – auch bei Privatpersonen. «Wie sicher ist meine Bar? Ist mein Feuerlöscher noch funktionsfähig?»
Solche Fragen hört Brandschutzexperte Andreas Scheidegger von Brandschutz Scheidegger Basel derzeit fast rund um die Uhr. Viele wollen ihr Brandschutzkonzept überdenken – unabhängig von politischen Exekutiv-Entscheiden.
«Seit Montag haben sich bereits acht Fasnachtscliquen aus der Region bei mir gemeldet, alles neue Kunden», sagt Scheidegger. Auch am Donnerstag stehen schon wieder Termine an. «Wenn mich jemand braucht, gehe ich sofort vorbei.» Die ganze Brandschutzbranche werde derzeit regelrecht überrannt – von Privaten, Geschäften, Restaurants und Cliquenkellern.

Besonders Feuerlöscher, die gemäss nationaler VKF-Brandschutzvorschriften ohnehin alle drei Jahre kontrolliert werden, tauscht Scheidegger derzeit aus. Aber auch Feuerdecken und Rauchmelder überprüft er seit einer Woche im Akkord. Dass die Politik der Fasnacht nun beim Brandschutz genauer hinschaut, sei absolut in Ordnung. «Je mehr Brandschutz, desto besser», so Scheidegger. Brandschutz sei teuer, und ohne Kontrollen durch die Behörden würden viele mit der Zeit etwas lasch. «Ich hoffe auf einen Weckruf».
Auch das Baselbiet beschäftigt das Thema
Auch wenn das Massnahmenpaket für den Stadtkanton ausgearbeitet wird, ist der Brandschutz an der Fasnacht auch im Baselbiet ein Thema. Die Laufner Fasnacht schreibt auf Anfrage: «Wir haben mehr Aussenstände, und die Bars und Restaurationsbetriebe sind mehrheitlich oberirdisch und nicht so dekoriert wie die Basler Lokale. Wir haben im Komitee beschlossen, keine neuen Massnahmen zu ergreifen.»
Aus Liestal heisst es hingegen, die Stadt sei nach der Tragödie von Crans-Montana wachsamer geworden: «Wir überprüfen derzeit die Zuständigkeiten bezüglich Massnahmen und Kontrollen im Zusammenhang mit dem Brandschutz in den Liestaler Cliquenkellern». Noch könne aber nichts Konkretes gesagt werden.
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