Geflüchtete finden über die Arbeit im Möbelhaus den Weg in die Gesellschaft
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Geflüchtete finden über die Arbeit im Möbelhaus den Weg in die Gesellschaft

HEUTE • 05:59 Uhr - update HEUTE • 18:36 Uhr
David Frische

David Frische

Fremde Kultur, fremde Sprache, kein soziales Umfeld: Flüchtlinge müssen in der Schweiz oft fast bei Null beginnen. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt kann vieles erleichtern. Wir zeigen Beispiele von Arbeitsintegration – und wo die Schwierigkeiten liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geflüchtete finden über Integrationsprogramme und -lehren bei Ikea Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt, verbessern ihre Sprachkenntnisse und gewinnen berufliche Perspektiven
  • Unternehmen wie Ikea investieren bewusst mehr Zeit und Ressourcen, profitieren langfristig aber von stabilen Arbeitsverhältnissen und einer Weiterbeschäftigungsquote von rund 60 Prozent
  • Unterschiedliche Aufenthaltsstatus und mangelndes Wissen bei Unternehmen erschweren die Integration

Melika Biparva arbeitet seit drei Jahren bei Ikea. Die Afghanin durchlief beim Möbelhaus zuerst das Integrationsprogramm, anschliessend absolvierte sie die Integrationslehre. Inzwischen macht sie die reguläre Lehre als Detailhandelsfachfrau, die sie im Sommer abschliessen wird. Für diese Möglichkeit sei die Mutter von zwei Kindern sehr dankbar. «Ich kann mich hier entwickeln und mein Deutsch verbessern. In Zukunft kann ich hier arbeiten», so Biparva. Zu Beginn habe sie Schwierigkeiten gehabt. «Aber ich habe nie aufgegeben.»

Nie aufgeben, das muss sich auch Hayatullah Raoufi immer wieder sagen. Zum Beispiel beim Lernen der Sprache. Raoufi, ebenfalls aus Afghanistan geflüchtet, lebt seit drei Jahren in der Schweiz. Seit August macht er bei Ikea ein Integrationspraktikum. Dieses beinhaltet auch einen Deutschkurs. «Ich gehe zwei Tage pro Woche in die Schule, um Deutsch zu lernen. Ich habe auch ein Online-Tool, um die Sprache zu lernen. Und lerne ich während der Arbeit Deutsch», erklärt er.

Baseljetzt hat Melika Biparva und Hayatullah Raoufi bei ihrer Arbeit bei Ikea begleitet:

Integration birgt auch Schwierigkeiten

In den beiden Basel gibt es rund 75 Programme zur Arbeitsintegration, wie es beim Fachverband Arbeitsintegration Nordwestschweiz auf Anfrage heisst. Die Programme sind unterschiedlichster Natur: Von Angeboten des Kantons, über Beschäftigungsprogramme in eigens eingerichteten Werkstätten, Job-Coaching und Sprachförderungskursen bis zu Integrationspraktika und -lehren in Unternehmen gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Letztere bietet beispielsweise Ikea seit nunmehr zehn Jahren an.

Der schwedische Möbelriese integriert jährlich 30 bis 40 Menschen in den Schweizer Arbeitsmarkt. Die Branchen sind unterschiedlich: vom Verkauf, über die Logistik bis zur Gastronomie. In sogenannten interkulturellen Trainings lernen die Geflüchteten und Auszubildenden, wie sie miteinander umgehen. Denn das sei eine der Schwierigkeiten in der Arbeitsintegration, sagt Özgün Bozkurt, der bei Ikea als Berufsbildner arbeitet.

Dass die Arbeitsintegration für das Unternehmen mehr Aufwand bedeutet, bestätigt auch die Leiterin Berufsbildung bei Ikea, Jennifer Hasler. Aber, dieser Aspekt sei lediglich ein kleiner Teil des Ganzen. «Wenn man es auf lange Sicht betrachtet, ist es eine tolle und nachhaltige Möglichkeit.» Hasler verweist auf die Erfolgschancen: Nach der Ausbildung im Rahmen der Arbeitsintegration arbeiteten rund 60 Prozent der Mitarbeitenden bei Ikea weiter.

Fachverband wünscht sich mehr Vernetzung

Wie viele Menschen pro Jahr in den beiden Basel in den Arbeitsmarkt integriert werden, ist schwierig zu beziffern. Der Fachverband Arbeitsintegration Nordwestschweiz spricht auch von einer «Schattenbranche». «Zahlen über das gesamte Feld werden nicht erhoben», so Vizepräsident Nicolas Seeger.

Der Fachverband ist für die Koordination der Arbeitsintegration zuständig, er sorgt dafür, dass die verschiedenen Anbieter, Fachstellen und Behörden miteinander kommunizieren können. Genau hier gebe es aber auch noch viel zu tun, so Seeger. «Wir begrüssen es sehr, dass Unternehmen wie Ikea oder Novartis eigene Arbeitsintegrationsprogramme aufgebaut haben. Wir wünschen uns aber noch mehr Vernetzung zwischen den Anbietern.»

Unwissen bei Unternehmen nach wie vor da

Eine weitere Schwierigkeit bei der Arbeitsintegration von Geflüchteten sind die unterschiedlichen Aufenthalts- und Schutzstatus. Dieser spielt eine zentrale Rolle bei der Arbeitsfähigkeit von Personen aus dem Asylbereich, wie der nationale Dachverband Arbeitsintegration Schweiz auf Anfrage erklärt.

Einige Status seien stark temporär und mit erheblichen Einschränkungen verbunden, andere bieten mehr Stabilität und damit bessere Voraussetzungen für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt. «Unternehmen bevorzugen in der Praxis in der Regel Status mit höherer Planungssicherheit», so Elisabeth Alfs-Lapraz von der nationalen Geschäftsstelle.

Ein wesentliches Hindernis für die Arbeitsintegration sei zudem der «nach wie vor bestehende Informationsmangel bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bezüglich der verschiedenen Aufenthaltsstatus und der damit verbundenen Rechte und Pflichten».

Die Telebasel-Sendung Punkt6 Thema beleuchtet, wie die Arbeitsintegration beim Basler Pharmariesen Novartis aussieht und wie die Zusammenarbeit mit dem Bund funktioniert:

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20.01.2026 15:47

Hoschi

Ein tolles Projekt von IKEA.

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