
Moutier gehört seit Mitternacht zum Kanton Jura
Baseljetzt
Fünf Jahre nach einer entsprechenden Volksabstimmung ist es offiziell: Moutier gehört neu nicht mehr zum Kanton Bern, sondern zum Jura. In der Ortschaft fanden am Mittwoch den ganzen Tag Feierlichkeiten statt.
«Wir haben es geschafft», rief der Stadtpräsident von Moutier, Marcel Winistoerfer, unter Beifall in die Menge. Die Ortschaft mit 7300 Einwohnerinnen und Einwohnern ist die 51. Gemeinde des Kantons Jura.
Mit Jura-Flaggen über den Schultern und Fackeln in den Händen sang die Menge die Rauracienne, die Hymne des Jura. Eine auf die Fassade des Rathauses projizierte Lasershow und ein Feuerwerk markierten den Neustart, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort beobachtete. Die Gastronomiebetriebe von Moutier hatten Freinacht.
Der Kantonswechsel wurde den ganzen Tag gefeiert
Die Feierlichkeiten begannen bereits am Mittwochnachmittag. Auf dem Programm stand zunächst ein offizieller Teil vor dem Rathaus mit Vertretern der städtischen Behörden, der jurassischen Regierung sowie des Komitees «Moutier Ville Jurassienne». «Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung des Kantons wird Moutier nun dem Kanton Jura beitreten. So wird die Stadt ihre natürliche Heimat wiederfinden», sagte Winistoerfer vor etwa 300 Personen vor dem Gebäude der Stadtverwaltung.
Den Einwohnerinnen und Einwohnern von Moutier sei es vergönnt, mit diesem Kantonswechsel intensive und aussergewöhnliche Emotionen zu erleben, sagte der pro-jurassische Stadtpräsident bei beissender Kälte weiter. Die Geschichte des Landes werde um ein neues, emotionales und abenteuerliches Kapitel bereichert.

Der Weg zum Kantonswechsel war lang
Der Kantonswechsel erfolgte fast fünf Jahre nach einer Volksabstimmung, bei der sich 54,9 Prozent der Stimmberechtigten der Stadt für einen Beitritt zum Jura entschieden hatten. Bereits im Jahr 2017 hatte sich Moutiers Stimmvolk für einen Wechsel zum Kanton Jura ausgesprochen. Doch wurden sofort Unregelmässigkeiten geltend gemacht. Der Urnengang wurde annulliert und im März 2021 wiederholt.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider lobte die friedliche Lösung der Jurafrage. Die aus dem Kanton Jura stammende Bundesrätin nahm am Mittwochabend als Privatperson am Bankett in Moutier teil. Der Konflikt um die Kantonszugehörigkeit Moutiers sei auf eine Schweizerische Art und Weise geregelt worden, sagte die Bundesrätin zu Keystone-SDA.
Für die Sicherheit der Bundesrätin war ab Mitternacht nicht mehr die Berner Kantonspolizei verantwortlich. Mit dem Glockenschlag ging die Verantwortung an die jurassische Polizei über. «Sie werden einen historischen Moment erleben, Sie werden die ersten sein, die in der Stadt Moutier ausrücken», erklärte der Kommandant der jurassischen Kantonspolizei, Damien Rérat, bei der Befehlsausgabe an die um Mitternacht vor Ort eingesetzten Polizeikräfte.

Die Nachbargemeinde sprach sich knapp gegen einen Kantonswechsel aus
Der jurassische Regierungsrat sprach von einem für die Schweiz einmaligen Prozess. Militantere Töne schlug Cédric Erard, Präsident des Komitees «Moutier Ville jurassienne», an. Der Kampf um die Kantonszugehörigkeit Moutiers sei hart gewesen.
Für Erard ist zudem der Wille von Moutiers Nachbargemeinde Belprahon nicht berücksichtigt worden. «Liebe Freunde aus Belprahon, gebt nicht auf», sagte er unter Applaus der Anwesenden an die Adresse der Bewohnerinnen und Bewohner dieses Dorfes.
Belprahon hatte sich im Herbst 2017 knapp gegen einen Kantonswechsel von Bern zu Jura ausgesprochen – in einem Moment, als die Zukunft von Moutier wegen Rekurse gegen das Resultat der ersten Abstimmung über die künftige Kantonszugehörigkeit von Moutier offen war.
Nicht alle sind mit der neuen Kantonsgrenze zufrieden
Dass die jurassische Kantonsgrenze für einige Personen mit dem Kantonswechsel von Moutier nicht definitiv gezogen ist, zeigte sich auch bei den Feierlichkeiten nach Mitternacht. Ein Teil der Feiernden skandierte: «Lasst uns den Kampf fortsetzen, das ist erst der Anfang.»
Auch wenn die gesamte Bevölkerung zu den Feierlichkeiten eingeladen war, gilt es als unwahrscheinlich, dass Antiseparatistinnen und -separatisten daran teilnahmen. Ihrer Meinung nach war der Kantonswechsel kein Grund zum Feiern. (sda/jsa)
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