
Rocheturm statt Uni: Studierende lernen hoch über Basel
Jennifer Weber
Während der Prüfungsphase wird es an der Uni Basel eng. Denn Lernplätze sind knapp. Studierende weichen deshalb auf alternative Orte in der Stadt aus.
Das Wichtigste in Kürze:
- Während der Prüfungsphase sind Lernplätze an der Uni Basel stark gefragt
- Zusätzliche Angebote von Institutionen wie Theater Basel oder Roche entlasten die Situation
- Die Lernplätze in der Roche sind beliebt und bis zum 23. Januar ausgebucht
Während der Prüfungsphase sind freie Plätze zum Lernen in Bibliotheken rar. So auch in der Universitätsbibliothek (UB) der Uni Basel. Laptop an Laptop, Buch an Buch reihen sich die Studierenden. Dass es nun, Mitten in der Prüfungsphase, schwierig ist, einen Platz zu ergattern, bestätigt auch Matthias Geering, Mediensprecher der Uni Basel, im Interview. «Wir haben in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, aber es reicht noch immer nicht für alle.»
In der UB inklusive ihrer Standorte stehen 1’500 Plätze zum Lernen, Recherchieren und Arbeiten Schreiben zur Verfügung. Gesamthaft seien an der Uni Basel rund 2’500 Plätze verfügbar, sagt Geering. Derzeit studieren 10’000 Personen im Bachelor und Master an der Uni Basel. Da kann es durchaus mal knapp werden.
«Es wird sehr eng»
Das bestätigt auch Dorian Lenz: «Tendenziell hat es sehr viel Platz in der Unibibliothek, aber man merkt definitiv, dass es zu Hochzeiten sehr eng wird.» Viele Studierende seien schon um 8 Uhr vor Ort, um sich einen «guten» Platz zu sichern. Der Student schätzt an der UB, dass sie nahe der Universität gelegen ist und er kommen und gehen könne, wann er möchte.
Die Universität beobachte, dass die Studierenden immer weniger zuhause in den eigenen vier Wänden lernen. «Sie kommen an Orte an der Uni, um zusammen zu lernen – auch wenn das ganz still ist», sagt Geering. «Sie wollen das zusammen machen.»
Ausbau sei schwierig
Doch nicht nur in den offiziellen Bibliotheken der Uni Basel kann derzeit in Ruhe gelernt werden. «Wir sind sehr froh, dass andere Institutionen in der Stadt, wie das Theater Basel mit dem Foyer Public sowie grosse Firmen, wie die Roche und Novartis, Plätze anbieten», sagt Geering.
Ein weiterer Ausbau der Lernplätze sei schwierig. Den höchsten Peak verzeichnete die UB im Mai 2025 mit 100’000 Studierenden. Das bedeutet: Jeden Tag über 3’000 Menschen. Im Durchschnitt seien es jedoch viel weniger. «Wenn wir mit solchen Aktionen, wie vom Theater, der Novartis und Roche, genug Plätze bieten können, würde sich ein weiterer Ausbau nicht lohnen», sagt Geering.
Lernen im Rocheturm
Auch Vena Lüdi nutzt solche Angebote. Sie lernt im 16. Stock des Bau 2 der Roche. Die Wirtschaftsingenieurswesen-Studentin sagt, dass die Plätze in der Fachhochschule in Muttenz und in der Unibibliothek oft belegt seien. «Darum schätze ich, dass ich hier lernen kann», so Lüdi.
Die Räumlichkeiten der Roche bieten genügend Platz. Es sei alles vorhanden, was man braucht: Internet, Kaffee und Wasser, so Lüdi. Ausserdem können die Studierenden die Kantine auf dem Roche-Areal nutzen. Aber eine Herausforderung sieht die Studentin dennoch: die schöne Aussicht auf Basel vom Bau 2 aus. «Diese hat man an der Uni nicht. Das ist schon etwas Schönes – man versucht, sich davon nicht ablenken zu lassen», sagt Lüdi lachend.
Pilotprojekt mit 60 Lernplätzen
Die Roche stellt vom 5. bis 23. Januar als Pilotprojekt 60 Lernplätze für Studierende zur Verfügung. «Wir sehen, dass es einen grossen Bedarf an Lernorten gibt», sagt Karsten Kleine, Mediensprecher der Roche, gegenüber Baseljetzt. Das Angebot werde «sehr gut» angenommen. Normalerweise finden in den zur Verfügung gestellten Räumen Workshops statt. Doch im Januar gibt es davon weniger, so konnte das 16. Stockwerk für Studierende freigegeben werden.
Auch das Pharmaunternehmen selbst hat etwas davon, seine Türen für Studierende zu öffnen: «Roche versteht sich natürlich als Teil der Stadt», sagt Kleine. Man habe intensiven Austausch mit der Universität und Fachhochschule auf unterschiedlichen Ebenen. «Und so können wir uns als attraktiven Arbeitgeber für die nächste Generation von Roche-Mitarbeitenden positionieren.»
«Man muss Glück haben»
Die Lernplätze in der Roche sind beliebt. «Man muss auch Glück haben», einen Lernplatz zu bekommen, sagt Vena Lüdi. «Aber gerade diese Begrenzung macht es auch wertvoll, damit es nicht zu voll ist.» Denn die Studierenden müssen sich vorgängig online anmelden. «Sie müssen einmalig eine Sicherheitsschulung machen, dann bekommen sie einen Badge», erklärt Kleine. Danach können sich die Studierenden frei im 16. Stock bewegen und die Kantine besuchen.
Gemäss Registrierungs-Webseite der Roche sind die Lernplätze im Bau 2 bis zum 23. Januar komplett ausgebucht. Ob das Pharmaunternehmen auch in Zukunft einen Platz für Studierende hat, ist noch unklar.
Mitarbeit: Alex Kälin und Nathalie Schaffner
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