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Kultur

Wie Frauen die Spielzeugindustrie revolutionierten

07.07.2024 17:56 - update 08.07.2024 10:23
Michael Kempf

Michael Kempf

«Puppen, Plüsch und Pioniergeist» heisst die aktuelle Ausstellung im Spielzeug Welten Museum. Sie zeigt wichtige Frauen der Spielzeugindustrie, die sich ihren Platz in der Geschichte erst erkämpfen mussten.

Das Spielzeug Welten Museum Basel widmet seine aktuelle Ausstellung zehn Frauen, die die Welt des Spielzeugs entscheidend mitgeprägt haben. Zum Beispiel Renate Müller. Die deutsche Spielzeugdesignerin und -produzentin war vor allem dafür bekannt, dass alle ihre Spielzeuge für Kinder mit Beeinträchtigung entwickelt wurden.

Für Sibille Arnold, Leitern des Spielzeug Welten Museums war es sehr wichtig, eine Vielfalt von Spielsachen zu zeigen. Daher durften auch die Spielsachen von Renate Müller nicht fehlen.

Vom Tod zum Spielzeug

Die Geschichte, wie Elena Scavini – eine weitere Frau in der Ausstellung – dazu kam, Spielzeug, bzw. Puppen herzustellen, hat einen traurigen Hintergrund. «Ihr erstes Kind starb an der Spanischen Grippe», erzählt Sibille Arnold. Um ihre Trauer zu verarbeiten, begann Scavini, Puppen herzustellen. Zur Herstellung der Puppe von Elena Scavini gibt es folgende Legende:

Eine andere Frau in der Ausstellung, Käthe Kruse, entwarf ihre erste Puppe in Ascona. «Was die wenigsten über ihre Biografie wissen, ist, wie sehr Käthe Kruse unter ihrem Ehepartner litt», sagt Sibille Arnold. So musste sie mit den Kindern nach Ascona ziehen, während er in Deutschland blieb, und als sie mit ihren Puppen immer erfolgreicher wurde, versuchte er, zu behaupten, die Entwürfe für die beliebten Spielzeuge stammten von ihm, «was nicht stimmte», erzählt Sibille Arnold.

Die Schöpferin des Monopoly-Vorgängers

Elisabeth Magie Philips gilt als Erfinderin des Vorgängers von Monopoly. Das von ihr entwickelte Brettspiel «The Landlord’s Game» sollte die Problematik des Kapitalismus aufzeigen, was sich dann im davon inspirierten Brettspiel Monopoly völlig umkehrt, da das Spielziel von Monopoly erreicht ist, wenn alle Mitspieler bankrott sind.

Bei den Recherchen zur Ausstellung fiel Sibille Arnold auf, dass Frauen im Vergleich zu anderen Designbereichen schon früh im Spielzeugdesign vertreten waren. «Da es sich um Spielzeug handelte, das oft im pädagogischen Bereich angesiedelt war, konnten Frauen hier auch erfolgreicher sein», so Arnold. «Wenn Frauen arbeiten durften, dann oft im Textilbereich und nicht mit Holz, deshalb wurden Frauen hier auch mehr gefördert als anderswo.»

Das zeigt auch das Beispiel einer anderen Frau in der Ausstellung: Alma Siedhoff Buscher. Die deutsche Designerin und Kunsthandwerkerin beschäftigte sich 1920 am Bauhaus mit dem Kinderzimmer. Ansonsten wäre ihr als Frau der Zugang zur Holzwerkstatt verwehrt geblieben.

Die Sonderausstellung «Puppen, Plüsch und Pioniergeist» im Spielzeug Welten Museum Basel läuft noch bis Ende Oktober.

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08.07.2024 04:09

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