
Bevor die Massnahmen kommen: So steht es um den Brandschutz in Basler Cliquenkellern
Michael Kempf
Nach dem Vorfall in Crans-Montana will die Basler Regierung neue Brandschutzmassnahmen für die Fasnacht beschliessen. Eine Nachfrage bei vier Cliquenkellern zeigt: Man bleibt entspannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach der Katastrophe von Crans-Montana überprüften Basler Cliquen und Guggen die Sicherheit ihrer Keller
- In mehreren Kellern werden bereits vor dem Massnahmenpaket der Regierung eigene Massnahmen umgesetzt
- Bezüglich Personenbeschränkungen warten die Cliquenkeller den Entscheid der Basler Regierung ab
Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana kam in der Basler Bevölkerung schnell die Frage auf: Wie sicher sind die Cliquenkeller eigentlich? Baseljetzt hat Anfang Januar mit der Kellerchefin der Lälli-Clique, Christine Kuhn, gesprochen. Sie gab einen Einblick, wie es um den Brandschutz im Lälli-Keller steht und welche weiteren Massnahmen getroffen wurden. Kurz darauf kündigte die Basler Regierung an, dass sie in Zusammenarbeit mit Cliquen die Brandschutzmassnahmen für die Fasnacht überarbeiten wolle.
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Personal wird geschult
Eine Nachfrage von Baseljetzt bei vier Cliquen zeigt: Die meisten warten erst einmal ab, welche neuen Massnahmen die Regierung beschliessen wird. Unabhängig davon haben alle bereits selbst gewisse Präventionsmassnahmen in ihren Kellern getroffen.
So werden im Barbara-Club alle Personen, die während der Fasnacht im Barbetrieb arbeiten, im Vorfeld nochmals in Brandschutzmassnahmen geschult. Der Cliquenkeller sei schon lange mit Löschdecken, Feuerlöschern und Rauchmeldern ausgestattet, bestätigt Philippe Moser gegenüber Baseljetzt. In diesem Jahr wolle man zudem nur Sitzplätze zulassen. «Das hatten wir eigentlich schon in den vergangenen Jahren diskutiert», sagt Moser, «weil die Leute zum Teil in den Fluchtwegen und dem Servicepersonal im Weg standen.» In diesem Jahr wolle man jedoch mit Hinweisschildern effektiv darauf aufmerksam machen, dass die Leute nicht im Keller herumstehen sollen.
Feuerwehr in der Clique
Bei den Basler Dybli sind die Brandschutzexperten bereits Teil der Clique. «Wir haben mehrere Mitglieder der Berufsfeuerwehr in unserer Clique», sagt Jlena Suter von den Basler Dybli. Diese haben den Cliquenkeller noch einmal genauestens geprüft und werden auch die Mitglieder sowie das Personal im Cliquenkeller bezüglich Brandschutz schulen. Sollte der Regierungsrat eine Beschränkung der maximalen Personenanzahl im Keller beschliessen, sei dies für Suter kein Grund, den Keller während der Fasnacht nicht zu öffnen.
Phosphorbeleuchtung am Boden
Beim Cliquenkeller der Fuege Fäger klingt das anders. «Wenn der Regierungsrat zum Beispiel nur 45 Personen erlauben würde, wüssten wir nicht, ob wir unseren Keller während der Fasnacht öffnen würden», sagt Kellermeister Oliver Gartmann. «Unser Personal besteht bereits aus fünf Personen. Wenn dann noch die 40 Cliquenmitglieder in den Keller wollten, müssten wir alle anderen Gäste aus dem Keller werfen oder wir dürften gar nicht erst in den eigenen Keller», so Gartmann. Bezüglich des Brandschutzes sei man im Keller der Fuege Fäger aber gut aufgestellt. «Der Keller ist sehr überschaubar und alle Mitglieder wissen, wo sich die Feuerlöscher und die Löschdecken befinden.» Zudem verfügt der Keller über Phosphorbeleuchtung am Boden, sodass selbst bei Stromausfall oder starker Rauchentwicklung der Weg zum Ausgang sichtbar bleibt.
Rauchmelder und Rauchdruckanlagen
Wenn es um den Brandschutz in den Basler Cliquenkellern geht, dann ist die Rätz-Stadt wohl der absolute Vorzeigekeller. «Wir sind da aber auch sehr privilegiert», bestätigt Stefan Ospel von der Rätz-Stadt auf Anfrage von Baseljetzt. Der 2009 eröffnete Keller ist nicht nur um einiges jünger als viele andere, sondern wurde auch in einem moderneren Gebäude errichtet, das früher ein Notspital und eine Zivilschutzanlage war. «Wir hatten bereits zwei rudimentäre Fluchtausgänge, die wir renovierten.» Zudem baute die Rätz-Clique einen dritten Fluchtweg aus ihrem Keller ein.
Die Wirträume der Altstadt sind mit Rauchmeldern ausgestattet. «Werden diese ausgelöst, öffnet sich auf dem Claraplatz automatisch eine Luke mit einem riesigen Ventilator. Dieser sorgt zusammen mit den Brandschutztüren für einen Überdruck, sodass die Fluchtwege rauchfrei bleiben», erklärt Ospel. Was sich in diesem Jahr in der Rätz-Stadt aber ändern wird, ist die Garderobe. «Die Garderobenständer werden durch Kleiderhaken an den Wänden ersetzt», sagt Ospel. So soll auch für mehr Sicherheit gesorgt werden, da die Garderobenständer im Ernstfall umstürzen könnten und so zur Stolperfalle werden.
Brandschutz wird grossgeschrieben
Das Thema Brandschutz war jedoch bereits vor der Katastrophe in Crans-Montana ein wichtiger Bestandteil der Cliquenkeller. «Wenn du einen Cliquenkeller verwaltest, bist du allgemein dafür sensibilisiert, dass der Keller brandschutztechnisch so sicher wie möglich ist», sagt Oliver Gartmann von den Fuege Fäger. Stefan Ospel von der Rätz-Stadt bestätigt das: «Wenn man eine solche Brandschutzanlage erklärt bekommt, verändert sich automatisch die Sicht auf die Brandschutzsicherheit.»
Die Katastrophe von Crans-Montana hat jedoch etwas verändert: Es sind nicht mehr nur die Betreiber der Cliquenkeller, die sensibilisiert sind. Auch die Bevölkerung ist es. Wer an dieser Fasnacht einen Cliquenkeller betritt, wird wohl besonders auf den Brandschutz achten.
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PascalA
Die Brandkatastrophe steckt noch in unser allen Köpfen, deshalb mache ich mir für dieses Jahr keine Sorgen in den Kellern. Ich hoffe nur, dass die Massnahmen die jetzt umgesetzt werden, uns in 10 Jahren noch helfen sicher zu sein und zu agieren wenn uns die Bilder von Crans-Montana nicht mehr verfolgen.
Cola2023
Zum Glück wird geschaut !
Hoffentlich auch bald in Schulgebäuden !