Kurven in der ganzen Schweiz protestieren
©Bild: muttenzerkurve.ch
Kollektivstrafen
Sport

Kurven in der ganzen Schweiz protestieren

05.02.2024 10:54 - update 05.02.2024 12:04

Manuela Humbel

Schweizweit protestieren Fussball-Fans gegen die Kollektivstrafen der Behörden. Ein Club zieht jetzt sogar vor Gericht. Und auch der FCB äussert sich zum Vorgehen der Behörden.

Für einmal waren die eingefleischten FC-Basel-Fans bei einem Spiel nicht direkt hinter dem Tor, in der Muttenzerkurve, sondern im Sektor G – weit oben im Joggeli. Auch andere Fan-Szenen haben ihre Plätze in den Stadien dieses Wochenende verschoben. Grund dafür ist unter anderem, dass die Behörden in Zürich die Südkurve wegen Ausschreitungen gesperrt haben. Wie der «Blick» schreibt, gehen der FC Zürich und mehrere Fans jetzt vor Gericht.

Der FCZ schreibt in einer Medienmitteilung, dass durch die Massnahmen verfassungsmässige Rechte des Vereins wie die Wirtschaftsfreiheit oder die Eigentumsgarantie verletzt werden würden. Laut ihm handle es sich bei der Kollektivstrafe um eine willkürliche Massnahme und einen krassen Verstoss gegen die Gerechtigkeit.

«Verschobene Wahrnehmung, verschobene Kurven»

Gegen diese Massnahme der Zürcher Behörden regt sich auch schweizweit Widerstand. Fans aller Schweizer Vereine teilten das Statement des FCZ auf Social Media. Zudem solidarisierten sich die Kurven am Wochenende unter dem Motto: «Verschobene Wahrnehmung, verschobene Kurven.» In der Muttenzerkurve hissten die Fans ein Banner mit dem Statement. Mit ihrer Protestaktion wollen die Kurven aber nicht nur ein Zeichen gegen die Zürcher Behörden setzen, sondern allgemein gegen die immer häufiger werdenden Kollektivstrafen.

Gegenüber 20 Minuten sagt FCB-Goalie Marwin Hitz am Freitag nach dem Spiel: «Es war sehr aussergewöhnlich. Als Goalie spüre ich sonst die Kurve extrem.» Trotzdem sei die Stimmung im Stadion super gewesen und: «Die Fans haben ihre Stimmung klar gemacht.» Auch Lugano-Torhüter Amir Saipi äusserte sich gegenüber dem Online-Medium zur Aktion der Fans: «Es ist sicher schöner, wenn sie hinter dem Tor sind.»

«Klar, wir wollen die Fans hinter dem Tor»

Die Trainer der beiden Mannschaften wollten sich nicht wirklich zur Thematik äussern. Mattia Croci-Torti vom FC Lugano sagte, er habe gesehen, dass die Fans nicht an ihrem normalen Ort gewesen seien, aber er müsse sich noch einlesen. FCB-Trainer Fabio Celestini sagte: «Klar, wir wollen die Fans hinter dem Tor.» Es sei aber ihr Recht zu protestieren.

Der FCB teilte mit: «Wenn die Tendenz einseitig in Richtung pauschale Kriminalisierung von Fussballfans, Kausalhaftung und Kollektivstrafen geht, ist dies weder mit der Club-Charta des FCB vereinbar, noch verhältnismässig und zielführend.»

Co-Präsidentin der Polizeidirektor:innen befürwortet Fan-Aktion

Die Co-Präsidentin der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektor:innen (KKJPD), Karin Kayser-Frutschi, die zuvor mit einem Statement zur Thematik für grosse Diskussionen gesorgt hatte, sagt gegenüber 20 Minuten, sie befürworte die Aktion der Fans: «Führt eine solche Solidarisierung unter den Fans zu einer positiven gegenseitigen Beeinflussung und verhindert Ausschreitungen innerhalb und ausserhalb der Stadien, so ist dies eine kreative Herangehensweise der Fans.»

Die Kurven selbst teilen in einer Stellungnahme mit, dass die gemeinsamen Aktionen der Fans zeigen würden, wie leicht die Massnahmen der KKJPD umgangen werden und ins Leere laufen könnten. «Ihre Massnahmen sorgen einzig für mehr Unruhe und Kosten», heisst es weiter.

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05.02.2024 11:37

skywings2

Die blödsinnigen und nutzlosen Kollektivstrafen bestätig mir : Die Verantwortlichen dafür haben keine Ahnung, sind in ihren Gedanken gefangen und festgefahren. Bin gespannen auf ein Gerichtsurteil.

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