Pfyfferli 2026: Wunderbare Balance zwischen bissig und nachdenklich
Maximilian Karl Fankhauser
Mit dem Pfyfferli ist die Vorfasnachtszeit eröffnet worden. Im Kellergewölbe am Spalenberg wurde auch in diesem Jahr etwas Wunderbares geschafft. Es bleibt kein Auge trocken – stimmt aber auch nachdenklich.
Bodo Maier an der Trompete, Bettina Urfer am Piano und die letzten paar Töne des ersten Verses des Arabis aus den Piccolos der Pfyfferli-Pfyffer. Bühne frei für das Pfyfferli 2026. Und das bedeutet auch:
Nachdem Caroline Rasser im Prolog feststellt, dass sich die Welt in einer Ego-Trance befindet, fragt sie sich, ob es nicht Zeit für eine Humanismus-Renaissance wäre. Darauf geben die Pfyfferli-Pfyffer und -Pfyfferinnen mit dem «Altfrangg» die musikalische Antwort. Ein wunderbarer Marsch, der mehrstimmig vorgetragen seine ganze Kraft im Kellergewölbe entfaltet.
Gleich beim ersten Rahmestiggli wird die Zeit auf Zukunft gestellt. David Bröckelmann erhofft sich als hilfloser Männercliquenvertreter ein wenig Pfeiffer-Nachwuchs von Hebamme Caroline Rasser. Die Clique, für die er akquiriert? Alti Mittwuchsmärtschnuurebebbi 1908. Ein Zusammenschluss aus praktisch allen noch bestehenden Männercliquen. (Der Dupf-Club beibt bei diesem Gedankengang scheinbar die einzige noch bestehende Männerclique) Ob vielleicht der kleine Linus ein Kandidat ist, der an der Tramschlaufe in Allschwil aufgewachsen ist und deswegen das piccoloähnliche «Gyggse» verinnerlicht hat?
Spitzfindiger Humor und ehrliche Trauer
Das nächste grosse Highlight ist Philipp Borghesi als Conradin Cramer, der sich Glämmer (Glamour), Lametta und den roten Teppich zurückwünscht. Am ESC war er auf den weltweiten Fernsehstationen mit «akzentfreiem Hochdeutsch» unterwegs, jetzt muss er sich wieder mit den alltäglichen Regierungsratsquerelen abgeben. Süffisant: Baschi Dürr hat dieses Stück geschrieben.
Das Pfyfferli 2026 schafft es, spitzfindigen Humor mit Ernsthaftigkeit und ehrlicher Trauer zu verbinden. Da ist einerseits Arth Paul, dem auf wunderbare Weise gedacht wird. Würdig wird der Fauteuil-Komponist verabschiedet, mit einer eigens für ihn kreierten Lambbe.
Daneben streiten sich die Protagonist:innen um den Level ihres frühschulischen Intellekts. Frau Fasnacht identifiziert sich kurzerhand als rauchender Hausmeister, die letzte Ausgabe der 20min wird «gelesen».
Der wahrscheinlich grösste Highlight-Moment: Der Grosse Rat übernimmt die Verantwortlichkeiten des Comitées: Um LDP-Grossrätin Clémentine von Falkenmann zu verstehen, hätte man wahrscheinlich mehrere Jahre am Gymnasium am Münsterplatz verbringen müssen. Dialectus am Arschus. wie der Name verspricht, wird sich auch auf Kosten der lateinverrückten Gym-Münsterplätzler amüsiert.
Auch Internet-Trends werden aufgegriffen
Souverän wie immer geben sich die beiden Bängg. Heiri transportiert die alten Säcke mit seinem E-Traktor und dr Spitzbueb wartet wie immer gespannt auf die Durchsagen der BVB.
Definitiver Höhepunkt: Als Caroline Rasser eine Anspielung auf «67» macht, hält es ihre Tochter kaum mehr im Sitz. Tränenlachend ist sie in ihrem Stuhl, sie hat damit gerechnet, doch nicht zu diesem Zeitpunkt.
Was folgt ist eine wunderbare Reminiszenz an die Wartezeit als Zivilist kurz vor dem Start des Morgestraichs. Jetzt wird klar: Die Fasnacht ist nicht mehr weit entfernt.
Video: Maurus Voltz
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