
Basels älteste Gugge wird 100 Jahre alt
Fasnachtsmümpfeli
Emil «Migger» Jeisi gründete 1926 eine Guggenmusik. Dieses Jahr feiert sie ihr 100-Jahr-Jubiläum und ist damit die älteste noch aktive Gugge Basels. Seit ihrer Gründung ist sie ihren alten Prinzipien stets treu geblieben.
Vor 100 Jahren war es an einem Fasnachtsdienstag ruhig in der Stadt. Es war ein Arbeitstag, neben der Kinderfasnacht gab es sonst nur Maskenbälle und Musik in Innenräumen. Besonders angefressenen Fasnächtlern reichte der Cortège am Montag und Mittwoch nicht aus. Ein solcher war Emil «Migger» Jeisi, Pfeiferchef der Alten Stainlemer. Er suchte sich also für den Dienstag eine fasnächliche Nebenbeschäftigung. Zusammen mit ein paar Kameraden und Cliquenkollegen formierte er 1926 eine Guggenmusik. Als Dirigent der zusammengewürfelten Gruppe trug er Frack, Zylinder, Brille und Bart – keine Larve! – was bald zu seinem Markenzeichen wurde.

Wild – bis heute
Diese Formation, «em Jeisi Migger sy Guggemusig», war von Brass Bands inspiriert und spielt bis heute jazzige Stücke. Wegen den Verbindungen Jeisis, der selbst Wirt war, zu diversen Wirtshäusern, spielte die Gugge oft in Beizen. Und auch Auftritte beim Monstre-Trommelkonzert, dem heutigen Drummeli, wurden bald ein zentraler Fixpunkt der Jeisi Migger. Dies ist bemerkenswert, da die Gugge nie beim Comité gemeldet war und auch bis heute gar kein Verein ist, sondern nach wie vor eine wilde Zyschtigsgruppe.
Eine Gugge der alten Schule
1951 gründete sich die Gugge-IG und zu jener Zeit etablierte sich der Dienstag langsam zum Gugge-Tag mit Platzkonzerten. Viele Guggen wurden in der Folge auch musikalisch professioneller. Die Jeisi Migger jedoch blieben bei ihrem alten Modus. So gab es stets eine Handvoll gute Musiker, «der Rest spielte schräg», erzählt Oberson.
Noch heute gewichten die Jeisi Migger ihre Freiheiten höher als musikalische Perfektion. So herrsche beim Üben keine straffe Disziplin. «Unsere Alten», so Oberson, «das sind Anarchisten!» Und so organisiert sich die Gruppe nach wie vor informell und will auch bewusst nicht zu einer grossen Formation anwachsen. Oberson betont aber: «Wir grenzen uns nicht von anderen Guggen ab – wir funktionieren einfach anders.»
Jubiläumsjahr 2026
Diese Besonderheit der Jeisi Migger bringt aber auch ihre Schwierigkeiten mit sich. Gilbert Oberson hat zum Jubiläum die Geschichte der Gugge aufgearbeitet. Dafür konnte er aber nicht auf ein geordnetes Archiv zurückgreifen, sondern musste zuerst die verschiedenen Akten, Bilder und Gegenstände bei einzelnen Mitgliedern zusammensuchen.
Wegen der historischen Verbindungen zur Clique setzte sich Gilbert Oberson mit den Alten Stainlemer in Verbindung. Und so haben die Jeisi Migger, trotz fehlender Vereinsstruktur, nun ein professionelles Archiv bei den Alten Stainlemer. Ansonsten machen die Jeisi Migger weiter wie bisher. Auch im Jubiläumsjahr 2026 machen Sie nur am Dienstag Fasnacht – dafür ausgiebig und frei, wie vor 100 Jahren.

Text: Tim Buser
Baseljetzt und das Projekt Dokumentation Basler Fasnacht machen gemeinsame Sache
Seit rund zwei Jahren setzt das Projekt Dokumentation Basler Fasnacht wichtige Schutzmassnahmen für unser Unesco-Weltkulturerbe Basler Fasnacht um. Es sensibilisiert Vereine und Privatpersonen für den richtigen Umgang mit Archivalien und Objekten und erschliesst Archivbestände aus der Region, die in den nächsten Monaten über die Plattform fasnacht.digital zugänglich gemacht werden sollen. Im monatlichen Abstand wird das Projekt Dokumentation Basler Fasnacht auf Baseljetzt unter dem Pseudonym «Fasnachtsmümpfeli» eine spannende Geschichte erzählen, über die es in der Aufarbeitung der Fasnachtsgeschichte stolpert.
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spalen
spannend! war mir nicht bekannt