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Das Charivari feiert 50 Jahre – und trifft mitten ins Herz
©Bild: Patrick Straub/V-MEDIA
Premiere
Fasnacht

Das Charivari feiert 50 Jahre – und trifft mitten ins Herz

25.01.2026 08:55 - update 26.01.2026 13:43
Jennifer Weber

Jennifer Weber

Standing Ovations, ausverkaufter Saal und ein Augenblick, in dem man im Volkshaus eine Stecknadel hätte fallen hören: Das Glaibasler Charivari feierte am Samstag Premiere – musikalisch stark, humorvoll und mit einem überraschend nachdenklichen Höhepunkt.

Marcel Liechti, alias Baschi, hatte im September 1974 die Idee eines «Geegedrummeli». Glaibasler Charivari soll es heissen. Am 16. Februar 1976 fand schliesslich die Premiere im alten Vokshaus statt – damals noch nicht vor ausverkauften Rängen. Ganz anders 50 Jahre später: Die diesjährige Charivari-Premiere fand am Samstagabend vor ausverkauftem Saal im Volkshaus Basel statt.

Gleich das erste Stiggli setzte den Rahmen, vorgetragen vom eingespielten Charivari-Ensemble: Cyril Giger, Tim Koechlin, Stephanie Schluchter, Beatrice Waldis, Tatjana Pietropaolo, Olivia Zimmerli und Roman Huber. «Vor 50 Joor» besuchte Sophia Loren Basel, wurde Apple gegründet, amtete Getrud Spiess als erste Basler Grossratspräsidentin, herrschte im Sommer eine Hitzewelle in Basel, wurden Parkplätze auf dem Marktplatz aufgehoben. Bis der Fokus schliesslich auf das eigene Jubiläum fiel: «50 Joor Charivari».

Emotionaler Höhepunkt

Neu zum Schauspiel-Ensemble gestossen ist in diesem Jahr Roman Huber. Er hatte zuvor aber bereits als Komponist und Texter zum Charivari beigetragen. Huber war es, der den emotionalen Höhepunkt des Abends lieferte.

Allein auf der Bühne, vor schwarzem Hintergrund, im Scheinwerferlicht, verband Huber die momentan düstere Weltpolitik und Fasnachtssujets zur leisen Kritik am Weltgeschehen. Seine baseldeutsche Interpretation von «Imagine», John Lennons ultimativer Hymne für Frieden, liess den Saal minutenlang mucksmäuschenstill werden. «Stell dir vor, s wär Friede, überall uff däre Wält» und «vilicht bini numme e Träumer, doch so cha’s nid wittergo», singt Huber mit viel Gefühl und Nachdruck. Sein Stück «Stell dir vor» endete in langem, ehrlichem Applaus. Selten war politische Nachdenklichkeit und Ernsthaftigkeit so berührend eingebettet in einen ansonsten humorvollen und heiteren Vorfasnachtsabend. Ein wahrhaftiges Highlight.

Das Charivari feiert 50 Jahre – und trifft mitten ins Herz
Sorgte für Gänsehaut: Roman Huber mit «Stell dir vor». Bild: Patrick Straub/V-MEDIA

Rückblick auf «50 Joor Rääme»

50 Jahre Charivari. In dieser Zeit kommen so einige Highlights zusammen. In einem schönen Rückblick gab Cyril Giger Sir Francis zum Besten. Natürlich durfte da «D’Schissi isch verschtopft» nicht fehlen. Der Saal stimmte sofort mit ein. Für viel Gelächter sorgte die Neuinterpretation von Tatjana Pietropaolos legendärem «Dybli» aus dem Jahr 2018 – «gurr, gurr». Marie-Therese Ruckstuhl, gespielt von Stephanie Schluchter, war natürlich auch mit von der Partie. Im vergangenen Jahr noch auf der Bühne gestanden, durfte sie heuer die «Rolle» als Servicepersonal wahrnehmen.

Das Charivari feiert 50 Jahre – und trifft mitten ins Herz
«50 Joor Rääme»: Marie-Therese Ruckstuhl servierte Weisswein. Bild: Patrick Straub/V-MEDIA

Einen weiteren Höhepunkt lieferten die Starivaris. Sie zeigten, wie ein Charivari in fünf Minuten aussehen kann. Für die Kurzfassung der Vorfasnachtsveranstaltung standen die Charivari-Macher gleich selbst auf die Bühne. Lucien Stöcklin (Regisseur), Erik Julliard (Programmchef), Roman Huber (Programmgestaltung und Ensemble) und Michael Robertson (Programmgestaltung) zogen vollbepackt mit Instrumenten ins Scheinwerferlicht.

Die «vier Super-Starivaris» jagten anschliessend im Schnelldurchlauf durch alle vorfasnächtlichen Disziplinen – von Pfeifen und Trommeln (mit «besser als das Top Secret Drum Corps» angekündet) über Gugge und Schnitzelbangg bis hin zum Rahmestiggli. Vier Sekunden für die Schlussnummer? Kein Problem für die Starivaris! Die Nummer funktionierte, das Publikum war voll dabei.

Das Charivari feiert 50 Jahre – und trifft mitten ins Herz
«E Kurzfassig» von den Starivaris. Bild: Patrick Straub/V-MEDIA

Musikalisch stark

Nicht ganz alle Rahmestiggli verleiteten das Publikum gleichermassen zu tosendem Applaus. Doch das Charivari 2026 vermochte musikalisch auf ganzer Linie überzeugen. Trommel-Kunst von höchstem Niveau zeigten die zwei Trommelkönige Ivan Kym und Maurice Weiss. Ein auditiver Leckerbissen war auch der Pfeifermarsch «50er», der vor der Pause bezauberte. Pfeiferinnen und Pfeifer der Pfyffergrubbe Spitzbuebe, d Pfyffergrubbe Schäärede, Fasnachtsgesellschaft Seibi Basel 1933 & Seibi Mysli verteilten sich im ganzen Saal und pfiffen höchst präzise den «50er».

Das Charivari feiert 50 Jahre – und trifft mitten ins Herz
So geht Trommeln: Maurice Weiss und Ivan Kym. Bild: Patrick Straub/V-MEDIA

Nicht zu vergessen: das Trio Piccolo Piano (Annika Kurz-Julliard, Barbara Freiermuth am Piccolo und Cédric Vogel am Piano) verband klassische Fasnachts- mit Popmusik – fantastisch. Die Mardis Gras Combo vermochte ebenfalls zu überzeugen.

Die Gugge d Ohregribler überraschte mit Alphörnern, Kuhglocken und Talerschwingen. Das Schweizer Medley von «W. Nuss vo Bümpliz» bis «Alperose» kam bestens bei den Anwesenden an. Auch d Schlössli-Schränzer überzeugten mit einem Medley («Fading Like a Flower», «Hotel California», und mehr).

Mit von der Partie waren selbstverständlich auch zwei Schnitzelbängg. Mac Väärs gab sein Debüt am Charivari und überzeugte das Publikum mit seinen Pointen, besonders mit jener zu den Birsfelder Bussen. D Gwäägi präsentierten sich am Samstagabend nicht nur im Weltkulturerbe «Fasnacht», sondern auch im «Schweizer Jodeln». Jodelnd gaben sie einen Vers zum Besten. Besonderen Applaus ernteten d Gwäägi mit ihrem langen Vers zum Telefonat der Bundesrätin Karin Keller-Sutter mit dem US-Präsidenten zum Thema Zölle. Unzählige Melodien packten die Gwäägi in diesen Vers und zeigten damit ihre musikalische Vielseitigkeit.

Das Charivari feiert 50 Jahre – und trifft mitten ins Herz
D Gwäägi am Charivari. Bild: Patrick Straub/V-MEDIA

Seit 50 Jahren ist das Charivari aus der Basler Vorfasnachtszeit nicht mehr wegzudenken. «Was wir wollten, das war fasnächtliche Unterhaltung auf hohem Niveau», schreibt Mitgründer Armin Faes in der «Chronik 50 Joor Charivari». Und genau das gelingt dem Glaibasler Charivari auch mit der Ausgabe 2026. Vom Publikum gab es nach der Premiere am Samstagabend Standing Ovations.

«50 Joor Charivari» ist noch bis zum 7. Februar 2026 im Volkshaus Basel zu sehen. Alle Vorstellungen sind ausverkauft.

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